Erwarte nicht zu viel von diesem Beitrag

„Die größten Enttäuschungen haben ihren Ursprung in zu großen Erwartungen.“ (Ernst Ferstl)

Erwartungen durchziehen Dein ganzes Leben, zu jeder Zeit und in jedem Lebensbereich. Du erwartest, dass das Wetter sich an den Wetterbericht hält und Du einen sonnigen Urlaub haben wirst. Du erwartest, dass jeder in deinem Umkreis dir mit Respekt begegnet. Du erwartest, dass Du wenig Leid und viel Glück im Leben erfährst, niemals schlecht drauf bist und ein perfektes Leben führst. Fazit vorweg: Du erwartest zu viel.

Du machst dich abhängig von deinen Erwartungen, da Du nur zufrieden und glücklich bist, wenn sie auch eintreffen. Im Umkehrschluss lässt dich jede unerfüllte Erwartung enttäuscht zurück. Du stellst Erwartungen an etwas, weil Du denkst, Du hättest ein Recht darauf. Vor allem in Beziehungen kommt das Thema immer wieder auf und führt zu ernsthaften Problemen – so wünsche ich mir doch von meinem Partner, dass er mich glücklich macht, dass er meine Wunden aus der Kindheit heilt, mich gut fühlen lässt…
In Wahrheit wünsche ich mir das nicht. Ich sehe das als mein Recht an, ich erwarte das von meinem Partner. Doch kein Partner der Welt kann dieser Erwartung gerecht werden – es liegt ganz allein an mir.


„Habe Hoffnungen, aber niemals Erwartungen. Dann erlebst du vielleicht Wunder, aber niemals Enttäuschungen.“

Keine Frage, Erwartungen helfen dir auch in gewisser Hinsicht, im Leben voranzukommen. Oft werden Erwartungen aber mit Zielen verwechselt, und das ist ein grundlegender Fehler!
Erwartungen lassen dich, wie der Name schon sagt, warten. Du wartest darauf, dass etwas eintritt, Du bist also passiv. Ziele hingegen lassen dich aktiv sein, denn Du arbeitest daran, dieses Ziel zu erfüllen.
Ein Beispiel dafür ist zum Beispiel eine Party. Du kannst erwarten, dass Du dort mit Leuten ins Gespräch kommst, einen guten Abend haben und glücklich wieder ins Bett fallen wirst, sobald der Abend vorbei ist.
Du kannst aber auch das Ziel haben, mit Leuten ins Gespräch zu kommen, kannst dir das Ziel setzen, einen guten Abend zu haben. Der Unterschied dabei ist, dass Du dich im zweiten Fall selbst dafür verantwortlich siehst, etwas aus dem Abend zu machen. Statt mit einem Drink in der Ecke zu stehen und auf die attraktive Frau zu warten, die dich anspricht, gehst Du selbst auf sie zu. Statt auf eine Tanzaufforderung zu warten, gehst Du einfach tanzen – irgendwer wird dann sowieso mittanzen.
Deshalb ist Selbstverantwortung eng mit den Erwartungen verknüpft – Du gibst deine Mündigkeit und Eigenverantwortung durch Erwartungen komplett ab. Außerdem gibst Du die Offenheit ab, die Du brauchst, um ein zufriedenes Leben zu führen. Erwartungen lassen dich voreingenommen sein. Du versteifst dich geradezu auf deine Erwartungen und lässt anderen Möglichkeiten gar keinen Platz in deinem Leben.

Stell dir vor, Du reist in ein fremdes Land. Mit im Gepäck sind Vorurteile und Halbwissen von Leuten, die eine Doku über das Land gesehen haben oder deren Bekannte einmal dort Urlaub gemacht haben. So erwartest Du bereits vor deiner Ankunft Menschen, denen du nicht vertrauen kannst, oberflächliche Menschen, unfreundliche Menschen. Du kannst diese Liste ewig fortführen. Der Punkt ist, dass Du deinen Fokus dann darauf lenkst, deine Erwartungshaltung zu bestätigen. Und Du wirst die Menschen finden, von denen Du glaubst, sie zu finden – jedes Land hat solche Menschen.
Deshalb erkundige ich mich vor Reisen gerne möglichst wenig über das Land oder die Leute – da ich so automatisch etwas unvoreingenommener bin. So ist man direkt offener für die freundlichen, gut gesinnten Bewohner eines Landes.
Das kann natürlich auch mal nach hinten losgehen, aber das wiederum ist meistens eine Geschichte, die man nach dem Urlaub mit einem Grinsen erzählen kann.

Das Leben so, wie es ist, annehmen zu können, ist eine wunderbare Fähigkeit, beinahe ein Talent. Es erfordert Übung, doch es macht wirklich alles leichter.
Annehmen heißt allerdings nicht, etwas gut zu heißen. Es heißt lediglich, die Situation zu akzeptieren, wie sie ist. Und genau so kannst Du die destruktive Wirkung von Erwartungen minimieren – indem Du dir bewusst machst, dass Erwartungen unsere subjektiven Wünsche sind, und dass wir auf deren Erfüllung keinerlei Anspruch haben. Das Leben ist meistens nicht so, wie wir es haben wollen, und egal wie unangenehm das Leben in dieser Hinsicht ist, wir müssen es erst annehmen, bevor wir etwas verändern können. Aber dich nur zu ärgern und an deinen Erwartungen festzuklammern, kostet Energie und Nerven.


Wie komme ich aus meiner Erwartungshaltung raus?

  1. Werde dir deiner Erwartungen bewusst
    Beobachte aufmerksam, wann Du in eine Erwartungshaltung gehst. Ist es vor dem Treffen mit einem Freund? Vor einer Party? Vor einem Kinobesuch?
    Wir befinden uns wirklich häufig in Erwartungshaltungen. Allein, uns bewusst zu werden, wann wir wieder in eine Erwartungshaltung rutschen, hilft uns, uns aus diesem Zwang zu lösen.
  2. Nehme das Leben an
    Übe dich darin, das Leben einfach so zu nehmen wie es kommt. Dir, sobald eine deiner Erwartungen nicht eingetroffen ist, einfach zu sagen: Schade. Aber so wie es ist, ist es eigentlich auch gut.
    Suche die guten Seiten der derzeitigen Situation – es gibt sie. Immer.
  3. Hoffnungen statt Erwartungen
    Formuliere deine Erwartungen einfach mal um. Statt zu erwarten, dass dein Freund dir einen Strauß Rosen mitbringt, hoffe einfach darauf. Natürlich kann es auch enttäuschend sein, wenn diese Hoffnung nicht erfüllt wird, aber glaub mir, es ist etwas anderes, als wenn jemand deine Erwartung übergeht.
  4. Wie fühlen sich fremde Erwartungen für dich an?
    Genauso wie Du Erwartungen an dein Umfeld hast, haben diese Menschen auch Erwartungen an dich. Der Chef erwartet von dir ein gepflegtes Äußeres, der beste Freund erwartet von dir, dass Du dich meldest und die Lehrer erwarten von dir, dass Du lernst. Üben diese Erwartungen einen Druck auf dich aus? Auf mich jedenfalls schon. Und bei manchen Erwartungen, die Leute an mich haben, merke ich, dass ich die weder erfüllen will, noch kann. Da komme ich oft ins Nachdenken – wie fühlen sich meine Erwartungen für andere Personen an? Macht es Sinn, diese Erwartungen an meine Mitmenschen zu stellen?
  5. Gestehe dir deine Selbstverantwortung zu
    Übernehme selbst die Verantwortung für dein Leben. So reduzierst Du automatisch den Einfluss, den Erwartungen auf dich haben. Du gehst die Sachen aktiv an und arbeitest dafür, statt darauf zu warten, dass das Leben dir diese Sachen schenkt. Dein Leben ist dein Leben und Du bist der- oder diejenige, die dafür eintritt.

„An einen Moment eine Erwartung zu stellen, führt dazu, dass man die Augen vor der Wahrheit verschließt.“

Ich bin keineswegs frei von Erwartungen. Das muss man auch gar nicht sein. Aber in den letzten Jahren habe ich für mich die oben genannten Möglichkeiten gefunden, um mir immer bewusster zu werden, welchen Einfluss Erwartungen auf mein Leben haben. Und mein Bewusstsein dafür wächst nach wie vor, ich leide immer weniger unter meinen Erwartungen, von denen sich die meisten ohnehin am Ende als Unsinn entpuppen.

Wenn Du noch ein paar gute Tipps kennst, wie man mit Erwartungen umgehen kann, melde dich doch einfach! Ich würde mich freuen 🙂

Vielen Dank fürs Lesen!

Dein Chris!

4 Kommentare zu „Erwarte nicht zu viel von diesem Beitrag

  1. Hey Chris!
    Danke für Deinen tiefsinnigen Artikel, dem ich in vielen Punkten beipflichen möchte. Aber eines halte ich jedoch nicht für hilfreich: Erwartungen in Hoffnungen umwandeln.
    Auf etwas zu hoffen, beispielsweise auf den Blumenstrauß, ist nur eine mildere Form von Erwarten. Am Ende bin ich vielleicht nicht wütend, wenn der erhoffte Strauß nicht kommt, aber zumindest traurig, weil meine Hoffnung enttäuscht wurde. Ich persönlich assoziiere mit Hoffnung Erwartung bei gleichzeitigem Bewusstsein völliger Machtlosigkeit. Und das dürfte für niemanden angenehm sein.
    Wie wäre es stattdessen mit Vertrauen? Wir vertrauen darauf, dass der Blumenstrauß zur richtigen Zeit zu uns findet, sobald wir bereit sind, ihn zu empfangen.
    Alles Liebe,
    Luisa

    Gefällt mir

    1. Hey Luisa! 🙂

      Danke für den Kommentar. Ich finde deinen Punkt richtig, richtig gut!
      Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass alles zur richtigen Zeit und aus guten Gründen geschieht. Aber in dem Zusammenhang mit den Erwartungen habe ich das noch nicht gesehen…

      Ein bisschen mehr Vertrauen würde uns allen auch gut tun 🙂

      Gelingt es dir denn?

      Dein Chris

      Gefällt mir

      1. Lieber Chris,
        Danke für Deine Antwort.
        Es gelingt mir oft, aber noch nicht so oft wie es wohl angebracht wäre. 😉
        Macht weiter mit eurem zauberhaften Blog, ich bleib als Leserin da.
        Alles Liebe,
        Luisa

        Gefällt 1 Person

  2. Wow…ein sehr schöner Beitrag..Enttäuschungen sind immer nicht erfüllte Erwartungen….und niemand sollte sein Glück von anderen abhängig machen…. sehr beeindruckend finde ich die Sichtweise mit den Erwartungen(passiv ) und Zielen(aktiv)…das ist ein sehr guter Gedanke… LG

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