Warum uns Loslassen so glücklich macht

Einst wanderten zwei Mönche durch die Berge. Auf dem Weg zum Kloster begegneten sie einer jungen Frau, die den Fluss nicht überqueren konnte, ohne ihre Kleider nass zu machen. Der Ältere der beiden Mönche hob sie auf die Schultern, trug sie hinüber und setzte sie ab. Schweigend wanderten die beiden Mönche weiter, bis der Jüngere seine Wut nicht mehr verbergen konnte. „Wie konntest du der Frau helfen, wo du doch weißt, dass uns der Kontakt zu Frauen streng verboten ist. Das war falsch von dir.“
Der ältere Mönch erwiderte ruhig: „Ich habe die Frau am Flussufer abgesetzt. Warum trägst du sie immer noch?“ (Buddhistische Anekdote)

Vielleicht fallen dir bei dieser Geschichte spontan Situationen aus deinem eigenen Leben ein, in denen du der junge Mönch warst oder jemanden kanntest, der sich so verhalten hat. Loslassen fällt vielen Menschen schwer und ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es nicht immer einfach ist. Es gibt so viel in unserem Leben, an dem wir haften, was wir nicht loslassen wollen oder können – wir klammern uns an unseren Partner, unsere Freunde, an den neuen Wagen, an unsere Träume und Vorstellungen und vor allem klammern wir uns an uns selbst, an unsere Gedanken und Gefühle.

Warum Loslassen so schwer ist

Wir bauen uns über Jahre hinweg ein eigenes Leben auf. Besitz wird angehäuft, Glaubenssätze werden übernommen – am Ende identifizieren wir uns über all die Sachen, die wir in unser Leben holen. Wir entwickeln eine Idee unserer Persönlichkeit, die nicht mehr als ein bloßes Konstrukt ist – unser Ego. Unser Umfeld zwängt uns in Rollen und wir sind gezwungen, zu schauspielern.
Ich sah mich immer als Klassenclown und irgendwann sahen auch die anderen mich so – auch, als ich schon längst keiner mehr sein wollte. Aber trotzdem zwang ich mich, immer dann einen dummen Spruch zu bringen, wenn die anderen einen dummen Spruch erwarteten – schließlich war das meine Aufgabe.
Die Angst überkommt uns, wenn wir daran denken, dieses Ich loszulassen. All die Statussymbole loszulassen, die uns definieren und unserem Umfeld zeigen, wer wir eigentlich sind. Genauso haften wir unseren Gedanken und Gefühlen an, die wir immer wieder so ernst nehmen, dass wir denken, wir seien unsere Gedanken und Gefühle. Doch wenn wir sie loslassen – wer oder was sind wir dann?

Wenn ich loslasse, was ich bin, werde ich, was ich sein könnte. Wenn ich loslasse, was ich habe, bekomme ich, was ich brauche. (Lao Tse)

Unser „Ich“ und „mein“ loszulassen, fühlt sich erst mal an, als würden wir unsere Identität verlieren. Doch das einzige, was wir verlieren, ist eine Illusion; ein Trugbild. Vielmehr gewinnen wir dadurch, dass wir den Filter des Ichs ablegen und die Welt ohne all diese Vorbehalte sehen dürfen. Schau dich mal um – vielleicht sitzt du gerade daheim und siehst all die Sachen die dir gehören. Sind da welche bei, von denen du denkst, dass sie dich in irgendeiner Art und Weise definieren? Kommt Angst in dir hoch, wenn du dir vorstellst, dass diese Gegenstände nun weg wären?
So geht es mir zumindest, wenn ich mir meine Gitarren ansehe. Ich definiere mich schon in gewisser Hinsicht über sie und sie machen mich glücklich.

Wer wäre ich nun, wenn die Gitarren geklaut werden oder verbrennen? Ich wäre immer noch ich.
Klar, ich wäre traurig und sie würden mir fehlen. Aber im Grunde genommen ändert sich nichts. Und das ist das Band zwischen dem Ego und dem Loslassen und warum sich beides nicht vereinen lässt – mein Ego ist abhängig von den Gitarren und „stirbt“, wenn sie nicht mehr Teil meines Lebens sind. Ich mache mein Glück davon abhängig, diese Gitarren in meinem Leben zu haben. Und diese Abhängigkeit zu erkennen, das ist das Wichtige.
Die Gitarre kannst du durch alles ersetzen, was für dich diesen Platz einnimmt. Hobbygegenstände sind super dafür, aber auch Statussymbole, Glücksbringer oder Erbgegenstände. Dir bewusst zu werden, dass du dein Glück oder Wohlbefinden von diesen Dingen abhängig machst, nimmt den Gegenständen bereits die Macht. Ich fordere keineswegs dazu auf, diese Sachen wegzuschmeißen um sich frei zu machen –das ist nicht des Rätsels Lösung. Es ist schön, wenn diese Sachen dich glücklich machen. Aber dein Leben ist nicht vorbei, wenn sie verloren gehen. Und das könnte immer passieren – sei es durch Einbruch oder Wohnungsbrand. Spätestens im Moment des Todes bringen dir diese Gegenstände gar nichts mehr.

Also: Bewusstsein ist alles. Du bist mehr als die Gegenstände, über die dein Ego sich definieren möchte – lass einfach los.

Wie lasse ich wirklich los?
In den tiefsten, schmerzhaftesten Krisen wurde mir dauernd geraten, doch einfach loszulassen. Manchmal packte mich die Wut, so einen realitätsfremden Ratschlag zu bekommen, während ich in den schlimmsten Situationen gefangen war.
Tja, letztendlich war das Loslassen doch immer das Wichtigste in all meinen Krisen. Doch während man so mit sich selbst und seinen Gefühlen kämpft, ist „einfach loslassen“ ganz und gar nicht mehr einfach – aber möglich!

Woran klammerst du dich?
Es ist wichtig, dir zu aller erst bewusst zu werden, woran du dich eigentlich klammerst. Was hält dich zurück im Leben? Und wieso?
Was könnten Vor- und Nachteile deines Loslassens sein? Was kannst du gewinnen?

Lerne, das Leben anzunehmen wie es ist
Loslassen ist ein Synonym für Annehmen. Jede einzelne Situation im Leben anzunehmen ist schwer, doch mit jeder Situation, die du annimmst und akzeptierst, wächst du – und verstehst, dass das Leben nun einmal eigene Geschichten schreibt. Indem du bewusst darauf verzichtest, an deinen Träumen und Vorstellungen des „perfekten Lebens“ zu klammern, lässt du los und gewinnst Gelassenheit und Lebensfreude zurück – einfach, weil du bereit bist, das Leben so zu nehmen, wie es kommt. Das soll nicht bedeuten, dass du aufhören sollst, deinen Lebensträumen zu folgen – manchmal gelangst du aber an einen Punkt, an dem du dir eingestehen solltest, dass es vorbei ist.

Beschäftige dich mit Minimalismus

Ich finde den Minimalismus als Lifestyle unheimlich interessant, denn man lernt unfassbar viel über sich selbst und das Leben im Allgemeinen dabei. Zwar bezieht er sich eher auf materielle Sachen, doch auch da spielen unsere Gefühle und Identifikationen mit den Dingen ja eine große Rolle. Bewusst zu entscheiden, was ich wirklich zum Leben brauche, ist ein spannender Prozess und führt bei mir immer wieder dazu, dass ich mit voller Freude ausmiste und die Sachen, die ich behalte, umso mehr zu schätzen weiß.
Eine gute Methode, um zu lernen, was man wirklich benötigt und zu sehen, warum man eigentlich an gewissen Dingen haftet.

Suche immer das Positive
Wenn es um vergangene Situationen oder Schicksalsschläge geht, hilft es enorm, das Positive im Geschehenen zu suchen. Manchmal dauert es lange, bis wir etwas finden – aber ich verspreche dir, es gibt etwas Positives! Schicksalsschläge stärken uns zum Beispiel oft oder lassen uns erkennen, wie wertvoll das Leben und die Menschen um uns herum sind – das erkannt zu haben sehe ich als äußerst positiv an.

Sei dankbar!

Dankbarkeit in deinen Alltag zu integrieren, ist das Beste was du machen kannst. Es gibt so viele Gelegenheiten im Alltag, in denen du dankbar sein kannst und je mehr du dich darauf konzentrierst, desto empfänglicher wirst du dafür. Loszulassen fällt deutlich einfacher, wenn man dankbar ist – denn dadurch nimmst du das Leben automatisch so an, wie es ist und machst dir bewusst, für wie viel im Leben man sich eigentlich freuen kann. Vielleicht helfen dir meine Denkanstöße, ein bisschen mehr loszulassen – vielleicht kennst du aber selbst ein paar gute Taktiken dafür, die anderen Menschen weiterhelfen können. Teil sie gerne mit uns!

Dein Chris

2 Kommentare zu „Warum uns Loslassen so glücklich macht

  1. Hallo Chris,
    auch ich habe mir in letzter Zeit Gedanken zum Loslassen gemacht und habe ganz ähnlich gedacht wie du. Auch ich sehe, dass wir Menschen uns meist über Gegenstände oder Gefühle definieren. Allerdings denke ich, dass es tatsächlich Gegenstände gibt, über die wir uns definieren können und die man nicht einfach loslassen kann – wenn diese Gegenstände weg sind, wäre das für mich ein Alptraum. Als meine Oma gestorben ist, haben meiner Geschwister und ich jeweils ein Fotoalbum bekommen, welche unsere Großmutter im Laufe unseres Lebens gestalten hatte. Auf den ersten Blick mag dies nur irgendein Gegenstand sein, aber für mich würde eine Welt untergehen, wenn es irgendwie zu Schaden kommen würde. Es würde sich für mich so anfühlen, als hätte ich meiner Großmutter ins Gesicht gespuckt und ihr keinen Respekt und keine Liebe gezeigt.
    Natürlich gibt es tausend Sachen, von denen wir uns lösen können und auch sollten, aber es gibt auch immer ein paar Sachen, die uns prägen und dadurch einfach zu uns gehören.

    rahellyelli

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    1. Hey 🙂
      Ja, wir alle haben natürlich Besitztümer mit emotionalem Wert – von diesen müssen und sollten wir uns auch nicht lösen. Ein persönliches Fotoalbum z.B. hat ja auch nochmal einen ganz anderen Wert als eine gekaufte Gitarre. Da muss man natürlich unterscheiden, da hast du vollkommen recht!

      Ganz liebe Grüße,
      Chris

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