Ehrliche Gedanken

In den letzten Wochen wurde es sehr ruhig auf unserem Blog. Ich fühlte mich, als hätte ich alles gesagt, was ich zu sagen hatte. Meine Idee mit den östlichen Lehren stellte sich als ein Projekt heraus, mit dem ich zur Zeit nicht umgehen kann. Zum einen habe ich wirklich viel für mein Studium zutun, zum anderen aber fehlen mir die Worte, über diese Weisheiten zu schreiben.
Jede Religion und jeder Glauben führt letztendlich zur selben Wahrheit, doch gerade in den östlichen Weisheiten sehe ich für mich einen guten und sinnigen Weg, den ich so gerne mit anderen Menschen teilen möchte. Das Problem dabei ist nur, dass ich von all diesen Sachen nur oberflächliche Ahnung habe. Zen praktiziere ich mittlerweile täglich, aber wenn ich mit dir Informationen über den Konfuzianismus oder den Taoismus teile, dann ist das eher ein erneutes Wiedergeben von Ideen, die ich in irgendeinem Buch oder auf irgendeiner Homepage aufgeschnappt habe. Ich kann keine eigene Erfahrung einbringen. Es fühlt sich für mich nicht an, als würde diese Aufarbeitung diesen Themen sonderlich gerecht werden.

Der wichtigste Teil einer Erfahrung geht durch Sprache verloren

Ich habe festgestellt, dass ich die Sachen, die ich für wirklich wichtig halte, nicht in Worte fassen kann. Jede Erfahrung die wir machen wird durch Sprache komprimiert. Wie würdest du den glücklichsten Moment in deinem Leben beschreiben? Oder den schlimmsten? Vielleicht findest du immer wieder neue Adjektive um deine Gefühle in diesen Situationen zu beschreiben, doch irgendwann kommst du an deine Grenzen und merkst, dass du nie wirklich wiedergeben kannst, was du gespürt hast.
Und deshalb fing ich an meine Schreibarbeit zu hinterfragen. Die Erfahrungen, die ich so gerne mit dir teilen möchte, lassen sich einfach nicht in Worte und Sätze pressen, ohne dass dabei der wichtigste Teil dieser Erfahrung verloren geht.
Es ist, als würdest du einen englischen Wortwitz ins deutsche übersetzen und erkennst, dass jeglicher Witz plötzlich verloren gegangen ist.

Seit vier Jahren habe ich auf Blogs oder in Büchern nach Anleitungen gesucht, wie ich mein Leben sinnvoller gestalten kann. Wie werde ich glücklich? Wie werde ich gelassener? Wie werde ich der Mensch, der ich eigentlich bin?
Dabei sind mir unglaublich viele Ideen begegnet und ich habe versucht, sie in mein Leben zu integrieren, habe sie jedoch meistens wieder fallen gelassen.

Mittlerweile erkenne ich, dass die Antworten auf all diese Fragen in mir selbst sind. Und sie sind auch in dir und in allen Menschen. Und so hochgestochen wie das auch klingen mag, ist es die Wahrheit, die ich für mich gefunden habe. Denn warum sollte jemand anderes wissen, wie mein Weg aussieht? Warum befragen wir andere Menschen nach dem Sinn des Lebens oder wie man glücklich ist, anstatt auf uns selbst zu hören?
Das heißt nicht, dass man nicht in Austausch kommen sollte. Ich glaube, einen alten Menschen nach seinen Lebensweisheiten zu befragen, kann uns ganz neue Horizonte im Leben eröffnen. Jeder kann etwas anderes beitragen zu unseren Lebensfragen. Ich glaube nur, dass viele Leute gar nicht erst sich selbst dazu befragen, sondern lieber Meinungen und Anleitungen anderer Menschen übernehmen, obwohl wir alle unseren ganz eigenen Weg finden müssen.

Nur ein authentisches Leben ist ein gelebtes Leben

Es ist wie mit dem Beitrag zur Morgenroutine, den Coco verfasst hat. Überall liest man, wie wichtig es ist, morgens schon zu meditieren und sein festes Ritual zu haben. Man liest soviel darüber, dass man nicht ohne schlechtes Gewissen aus der Nummer rauskommt, dass man selbst nicht so eine „perfekte“ Morgenroutine hat. Und wenn man sich dann eine zusammengebastelt hat, fragt man sich, warum man immer noch auf der Suche nach der gewissen Tiefe im Leben ist, warum diese Routine dich nicht glücklich macht.
Man packt immer neue Tricks und neue Ideen drauf, statt einfach von alledem abzulassen und das zutun, was man wirklich will und auf sein Gefühl zu hören. Auch das ist etwas, wo wir viel ausprobieren müssen, doch das ist der einzige Weg, der funktioniert.

Nur ein Leben, dass wir wirklich authentisch mit dem Herzen leben, ist ein gelebtes Leben. Sobald wir anfangen für andere zu leben, verlieren wir den Bezug zu unserem Leben.
Dieser Tipp ist mal wieder leicht ausgesprochen und hart umzusetzen und ich kann dir heute keine Möglichkeiten mit auf den Weg geben, wie du diese Authentizität in dein Leben einbringen kannst, denn das ist eine Aufgabe, an der ich selbst seit Jahren arbeite und auch noch lange Zeit arbeiten werde.
Um ehrlich zu sein ist das der Punkt, der mich am meisten verzweifeln lässt und den ich früher nie wirklich als das Hauptproblem erkennen konnte. Doch langsam erkenne ich, dass mein wahres Problem ist, dass ich einfach nie wirklich ich selbst gewesen bin und es auch immer noch nicht schaffe. Da kann ich noch so viel an den Symptomen basteln und mein Leben im außen verschönern – ich muss an der Ursache arbeiten. Sonst wird dieses Leben nie mein eigenes Leben sein. Und wenn ich mein eigenes Leben nicht lebe, und das schaffen viele Leute bis zu ihrem Tod nicht, dann hätte ich auch allen Grund wütend und enttäuscht zu sein. Ein ganzes Leben ungelebt.

All das klingt missmutiger als es sein soll. Ich kämpfe derzeit nur mit mir, wie ich Landkarten für jemanden erstellen soll, obwohl ich das Gebiet nicht kenne, in dem derjenige unterwegs ist. Und ich arbeite Tag für Tag an meiner eigenen Landkarte und verlaufe mich häufig.
Doch genau das macht das Leben aus – ein Leben in dem alles perfekt und nach Plan läuft mag verlockend klingen, aber wenn ich genauer drüber nachdenke, fühlt es sich unglaublich leer an. Mittlerweile sind es für mich die Ecken und Kanten, die ein Leben wirklich perfekt machen.

Heute also mal ein Beitrag ohne Ziel und ohne irgendwelche Möglichkeiten zur Verbesserung. Egal, was du gerade suchst, eigentlich hast du es doch schon längst gefunden. Vielleicht bringen dich all die gut gemeinten Ratschläge nur immer weiter von dir selbst weg.
Der einzige gültige Tipp, den ich dir geben möchte, ist, dass du dein eigenes Leben führen solltest, denn dafür ist es da. Die Zeit, die du mit der Suche nach den Wahrheiten anderer Menschen verbringst, kannst du in dich selbst investieren. Nimm deine Gefühle wahr und folge ihnen – ich denke, das ist das einzige, worauf es ankommt.

Danke fürs Lesen! Dein Chris 🙂

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