Kleine Inspiration für unser Selbstvertrauen

Hallo Ihr Lieben!

Wie Chris in der letzten Woche bereits geschrieben hat, ist es sehr ruhig hier auf dem Blog geworden. Von meiner Seite hatte das zwei Gründe: zum einen hatte ich seit April ein wenig den Fokus auf die Themen Persönliche Weiterentwicklung, Achtsamkeit und auch Sport und Ernährung verloren. Zum anderen gab es Themen, über die ich gern geschrieben hätte, allerdings hatte ich das Gefühl, meine Texte seien überflüssig, denn wer braucht schon den x-ten Blogbeitrag zu einem bestimmten Thema?

Dies hier soll nun ein Blogbeitrag werden, der jeden einzelnen von euch und auch mich selbst inspiriert, wieder mehr an sich zu glauben und das zu tun, wonach ihm ist.

 

Besonders die etwas selbstunsicheren Menschen unter euch werden sich wahrscheinlich in der folgenden Beschreibung wiedererkennen:

  • man hinterfragt ständig sein eigenes Handeln
  • man kann selten eine positive oder auch negative Entscheidung aus vollem Herzen treffen
  • man überlegt ständig, was die Mitmenschen von einem denken könnten
  • man traut sich nicht, einen Konflikt auszutragen, aus Angst, sich selbst nicht behaupten zu können oder
  • man fühlt sich dauernd angegriffen, obwohl das Gegenüber nichts Böses im Sinn hat
  • man hat Träume, aber fühlt sich zu klein und unbedeutend, um für diese loszugehen
  • man schämt sich häufig für sich selbst, den eigenen Körper oder Dinge, die man getan hat

Ich schätze, jeder findet sich in dem einen oder anderen Punkt wieder, sogar die selbstbewussteren Menschen. Die nicht ganz so Selbstbewussten werden sich sicherlich sogar in mehreren Punkten wiederfinden. Ich persönlich stelle mich gerade diesem Thema. Auf dem Team Liebe Festival von Laura Seiler im Juni (was nebenbei bemerkt wunderschön war – ich werde darüber noch schreiben) ist mir insbesondere das bewusst geworden: dass ich mein Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein stärken muss. In den Übungen, die wir dort gemacht haben, habe ich gemerkt, wie sehr ich mir selbst oft im Weg stehe und wie schwer ich mir dadurch mein Leben mache. Ich möchte dieses ständige Gedankenkreisen um meine Ängste und teilweise absurden Vorstellungen nicht mehr, ich möchte mich selbst annehmen und Frieden mit mir schließen, ich möchte auf mein Herz hören und Entscheidungen treffen können und ich möchte mir nicht mehr ständig den Kopf der anderen zerbrechen.

Ich schreibe diesen Beitrag somit gerade auch für mich, um mich in heiklen Situationen immer wieder daran erinnern zu können:

Lerne wieder, dir selbst zu vertrauen. Dein Herz kennt den Weg. Lerne wieder, auf dein Herz zu hören. Jede Entscheidung bringt dich voran. Du darfst die falsche Entscheidung treffen, gerade durch sie wirst du lernen. Das Leben verläuft selten linear, du darfst Umwege gehen. Du musst heute nicht alles wissen, aber lass dich darauf ein und vertraue, dass alles gut wird. Behandle deine Mitmenschen so, wie du selbst behandelt werden möchtest. Vertraue darauf, dass sie dir nicht mit Missgunst begegnen und das Gute in dir sehen. Sprich die Dinge an, das Leben ist zu kurz, um sich mit Ärger und Wut herumzukämpfen. Du darfst deine Meinung sagen und du darfst anderer Meinung sein, als der Rest. Wenn du einen Konflikt austragen musst, sei dir bewusst, dass das auch für den anderen eine schwierige Situation ist. Sei fair und offen, aber stehe zu dir. Mach dir bewusst, dass nicht alle Menschen ihre Handeln und ihre Worte reflektieren, wenn du dich angegriffen fühlst- mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit war es nicht so gemeint, wie es sich für dich angefühlt hat. Du darfst groß Träumen. Du darfst für deine Träume losgehen, auch wenn sie dir Angst machen. Gerade das, was dir Angst macht, solltest du tun. Du bist etwas Besonderes und kannst auch Besonderes erschaffen. Schließe Frieden mit der Vergangenheit, wenn nötig mit Hilfe. Hadere nicht mit den Dingen, die du nicht ändern kannst. Ändere stattdessen die Dinge, die du nicht möchtest. Sei du selbst und fang an, dich selber mit den Augen eines guten Freundes zu sehen. Sprich freundlich zu dir und hab Verständnis für dich. Fang an, dich wieder zu mögen. Zieh an, was dir gefällt. Ernähre dich gesund und treibe Sport, aber nicht weil du deinen Körper hasst, sondern weil du ihn liebst.

Und zu guter letzt mein Lieblingsspruch von meinem Vorbild Pippi Langstrumpf:

 

Das ist mein erster Schritt in diese Richtung: Erkennen und annehmen, dass ich selbstunsicher bin und mir trotzdem erlauben, so zu sein und mich so zu zeigen wie ich bin. Ihr glaubt gar nicht, wie schwer es mir fällt, diesen Beitrag zu schreiben und zu veröffentlichen. Aber wie oben geschrieben: man sollte durch die Angst gehen, wenn man sie loswerden möchte.

Hoffentlich kann ich auch euch ein wenig inspirieren, mehr an euch zu glauben und weniger dem inneren Kritiker in euch zu vertrauen.

Aktuell arbeite ich dazu mit dem Buch „So stärken Sie Ihr Selbstwertgefühl“ von Stefanie Stahl. Wenn ihr Interesse habt, kann ich dazu gern mehr schreiben, wenn ich das Buch fertig gelesen habe.

Alles Liebe

Eure Coco

Ehrliche Gedanken

In den letzten Wochen wurde es sehr ruhig auf unserem Blog. Ich fühlte mich, als hätte ich alles gesagt, was ich zu sagen hatte. Meine Idee mit den östlichen Lehren stellte sich als ein Projekt heraus, mit dem ich zur Zeit nicht umgehen kann. Zum einen habe ich wirklich viel für mein Studium zutun, zum anderen aber fehlen mir die Worte, über diese Weisheiten zu schreiben.
Jede Religion und jeder Glauben führt letztendlich zur selben Wahrheit, doch gerade in den östlichen Weisheiten sehe ich für mich einen guten und sinnigen Weg, den ich so gerne mit anderen Menschen teilen möchte. Das Problem dabei ist nur, dass ich von all diesen Sachen nur oberflächliche Ahnung habe. Zen praktiziere ich mittlerweile täglich, aber wenn ich mit dir Informationen über den Konfuzianismus oder den Taoismus teile, dann ist das eher ein erneutes Wiedergeben von Ideen, die ich in irgendeinem Buch oder auf irgendeiner Homepage aufgeschnappt habe. Ich kann keine eigene Erfahrung einbringen. Es fühlt sich für mich nicht an, als würde diese Aufarbeitung diesen Themen sonderlich gerecht werden.

Der wichtigste Teil einer Erfahrung geht durch Sprache verloren

Ich habe festgestellt, dass ich die Sachen, die ich für wirklich wichtig halte, nicht in Worte fassen kann. Jede Erfahrung die wir machen wird durch Sprache komprimiert. Wie würdest du den glücklichsten Moment in deinem Leben beschreiben? Oder den schlimmsten? Vielleicht findest du immer wieder neue Adjektive um deine Gefühle in diesen Situationen zu beschreiben, doch irgendwann kommst du an deine Grenzen und merkst, dass du nie wirklich wiedergeben kannst, was du gespürt hast.
Und deshalb fing ich an meine Schreibarbeit zu hinterfragen. Die Erfahrungen, die ich so gerne mit dir teilen möchte, lassen sich einfach nicht in Worte und Sätze pressen, ohne dass dabei der wichtigste Teil dieser Erfahrung verloren geht.
Es ist, als würdest du einen englischen Wortwitz ins deutsche übersetzen und erkennst, dass jeglicher Witz plötzlich verloren gegangen ist.

Seit vier Jahren habe ich auf Blogs oder in Büchern nach Anleitungen gesucht, wie ich mein Leben sinnvoller gestalten kann. Wie werde ich glücklich? Wie werde ich gelassener? Wie werde ich der Mensch, der ich eigentlich bin?
Dabei sind mir unglaublich viele Ideen begegnet und ich habe versucht, sie in mein Leben zu integrieren, habe sie jedoch meistens wieder fallen gelassen.

Mittlerweile erkenne ich, dass die Antworten auf all diese Fragen in mir selbst sind. Und sie sind auch in dir und in allen Menschen. Und so hochgestochen wie das auch klingen mag, ist es die Wahrheit, die ich für mich gefunden habe. Denn warum sollte jemand anderes wissen, wie mein Weg aussieht? Warum befragen wir andere Menschen nach dem Sinn des Lebens oder wie man glücklich ist, anstatt auf uns selbst zu hören?
Das heißt nicht, dass man nicht in Austausch kommen sollte. Ich glaube, einen alten Menschen nach seinen Lebensweisheiten zu befragen, kann uns ganz neue Horizonte im Leben eröffnen. Jeder kann etwas anderes beitragen zu unseren Lebensfragen. Ich glaube nur, dass viele Leute gar nicht erst sich selbst dazu befragen, sondern lieber Meinungen und Anleitungen anderer Menschen übernehmen, obwohl wir alle unseren ganz eigenen Weg finden müssen.

Nur ein authentisches Leben ist ein gelebtes Leben

Es ist wie mit dem Beitrag zur Morgenroutine, den Coco verfasst hat. Überall liest man, wie wichtig es ist, morgens schon zu meditieren und sein festes Ritual zu haben. Man liest soviel darüber, dass man nicht ohne schlechtes Gewissen aus der Nummer rauskommt, dass man selbst nicht so eine „perfekte“ Morgenroutine hat. Und wenn man sich dann eine zusammengebastelt hat, fragt man sich, warum man immer noch auf der Suche nach der gewissen Tiefe im Leben ist, warum diese Routine dich nicht glücklich macht.
Man packt immer neue Tricks und neue Ideen drauf, statt einfach von alledem abzulassen und das zutun, was man wirklich will und auf sein Gefühl zu hören. Auch das ist etwas, wo wir viel ausprobieren müssen, doch das ist der einzige Weg, der funktioniert.

Nur ein Leben, dass wir wirklich authentisch mit dem Herzen leben, ist ein gelebtes Leben. Sobald wir anfangen für andere zu leben, verlieren wir den Bezug zu unserem Leben.
Dieser Tipp ist mal wieder leicht ausgesprochen und hart umzusetzen und ich kann dir heute keine Möglichkeiten mit auf den Weg geben, wie du diese Authentizität in dein Leben einbringen kannst, denn das ist eine Aufgabe, an der ich selbst seit Jahren arbeite und auch noch lange Zeit arbeiten werde.
Um ehrlich zu sein ist das der Punkt, der mich am meisten verzweifeln lässt und den ich früher nie wirklich als das Hauptproblem erkennen konnte. Doch langsam erkenne ich, dass mein wahres Problem ist, dass ich einfach nie wirklich ich selbst gewesen bin und es auch immer noch nicht schaffe. Da kann ich noch so viel an den Symptomen basteln und mein Leben im außen verschönern – ich muss an der Ursache arbeiten. Sonst wird dieses Leben nie mein eigenes Leben sein. Und wenn ich mein eigenes Leben nicht lebe, und das schaffen viele Leute bis zu ihrem Tod nicht, dann hätte ich auch allen Grund wütend und enttäuscht zu sein. Ein ganzes Leben ungelebt.

All das klingt missmutiger als es sein soll. Ich kämpfe derzeit nur mit mir, wie ich Landkarten für jemanden erstellen soll, obwohl ich das Gebiet nicht kenne, in dem derjenige unterwegs ist. Und ich arbeite Tag für Tag an meiner eigenen Landkarte und verlaufe mich häufig.
Doch genau das macht das Leben aus – ein Leben in dem alles perfekt und nach Plan läuft mag verlockend klingen, aber wenn ich genauer drüber nachdenke, fühlt es sich unglaublich leer an. Mittlerweile sind es für mich die Ecken und Kanten, die ein Leben wirklich perfekt machen.

Heute also mal ein Beitrag ohne Ziel und ohne irgendwelche Möglichkeiten zur Verbesserung. Egal, was du gerade suchst, eigentlich hast du es doch schon längst gefunden. Vielleicht bringen dich all die gut gemeinten Ratschläge nur immer weiter von dir selbst weg.
Der einzige gültige Tipp, den ich dir geben möchte, ist, dass du dein eigenes Leben führen solltest, denn dafür ist es da. Die Zeit, die du mit der Suche nach den Wahrheiten anderer Menschen verbringst, kannst du in dich selbst investieren. Nimm deine Gefühle wahr und folge ihnen – ich denke, das ist das einzige, worauf es ankommt.

Danke fürs Lesen! Dein Chris 🙂

Eine Geschichte aus dem Zen-Buddhismus

Nachdem ich gemerkt habe, wie groß die Aufgabe eigentlich ist, über die drei großen Lehren Chinas zu schreiben, überbrücke ich meinen nicht eingehaltenen Termin mal mit einer kleinen Geschichte aus dem Zen-Buddhismus. Zen ist zwar keine der drei Lehren, da sie sich in Japan aus dem Taoismus und dem Buddhismus zusammengesetzt hat, dennoch ist sie es definitiv wert, auf unserem Blog behandelt zu werden.

Der Zen-Buddhismus ist zurzeit unglaublich interessant für mich. Ich entdecke jeden Tag mehr, wie gut Zen mir tut. Allerdings habe ich auch unglaublich großen Respekt über Zen zu schreiben, denn – so komisch es auch klingt – es gibt nichts zu schreiben.
Es gibt einige interessante und anschauliche Bücher zum Zen, doch es führt wirklich kein Weg dran vorbei, die Erfahrungen des Zen selbst zu machen.
Der Finger, der zum Mond zeigt, ist eben noch nicht der Mond…

Also – bevor ich hier Quatsch über ein Thema schreibe, dem meine Worte niemals gerecht werden könnten, gibt es einfach eine interessante Geschichte aus dem Zen. Vielleicht weckt sie dein Interesse. Oder du holst dir ein Buch.
Zu empfehlen sind:
Zen Zen. Die Weisheit des Nichtstuns [Alan Watts]
Zen im Alltag [Charlotte Joko Beck]
Zen leben: Ein Kurs in Gelassenheit [Brenda Shoshanna]


Die Autoren dieser Bücher stammen alle aus dem Westen und schaffen es dadurch, das Thema an unser westliches Verständnis anzupassen. Bücher von japanischen Autoren wie D. T. Suzuki stehen noch auf meiner Liste – da kommt mir die Thematik ungefilterter vor…

Falls es so rüberkommt, als hätte ich die Weisheit mit Löffeln gefressen und hätte Zen komplett durchschaut – ich habe es nicht. Doch mit jedem Tag komme ich dem Zen etwas näher.
Viel Spaß mit der Geschichte!

Man wird sehen…

Ein Bauer hatte ein Pferd, doch eines Tages lief es fort, sodass der Bauer und sein Sohn ihre Felder selbst pflügen mussten. 
Als die Nachbarn davon erfuhren, sagten sie: “Was für ein Pech, dass euer Pferd weggelaufen ist!” 
Aber der Bauer antwortete: 
“Man wird sehen.”

Eine Woche später kam das Pferd zum Bauernhof zurück und brachte eine ganze Herde wilder Pferde mit.
“So viel Glück!” riefen die Nachbarn,
doch der Bauer sagte:
 “Man wird sehen.”

Kurz danach versuchte der Sohn des Bauern, die wilden Pferde zu reiten – eines warf ihn ab und er brach sich ein Bein. 
“Oh, so ein Pech!” sagten die Nachbarn voller Mitleid, 
doch der Bauer sagte wieder: 
“Man wird sehen.”

Am nächsten Tag zog die Armee durch das Dorf, um junge Männer für die Schlacht zu gewinnen. Als sie sahen, dass das Bein des Sohnes gebrochen war, zogen sie an ihm vorbei.
“Was für ein Glück, daß dein Sohn nicht in die Schlacht ziehen muss!”
 freuten sich die Nachbarn.
Aber der Bauer bemerkte nur:
 “Man wird sehen.”

Eine kurze Geschichte mit soviel Weisheit, dass sie mich jedes mal aufs Neue fasziniert. Ich denke, dass alles, wirklich alles im Leben einen Sinn hat – alles was uns geschieht, jede Person die uns begegnet und jeder Fehler den wir machen – alles passiert aus einem guten Grund.
Genau das vermittelt diese Geschichte. Sachen, die erst schlecht aussehen, stellen sich manchmal als das Beste heraus, was uns passieren konnte.

Das war es für heute. Genieß den Tag!
Dein Chris

Die Drei Lehren: Der Konfuzianismus

Mit Sicherheit kennst auch Du einen weisen Spruch, den man Konfuzius zuschreibt.
Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir – für immer.“ oder „Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem anderen zu.“ – das Internet ist voll von Weisheiten, die Konfuzius zugeschrieben werden. Ob er es wirklich gesagt hat oder nicht, werden wir niemals wissen. Doch dennoch lohnt es sich einen Blick auf Konfuzius und seine Lehren zu werfen.

In der nächsten Zeit möchte ich dir einen Überblick über die drei großen Lehren Chinas – dem Konfuzianismus, dem Taoismus und dem (Zen-)Buddhismus – verschaffen.
Heute fangen wir mit Konfuzius an. Viel Spaß!

Über Konfuzius

Konfuzius war ein chinesischer Philosoph, welcher 551 v. Chr. geboren wurde und mit 72 Jahren im Jahre 479 v. Chr starb.
Seine Lehren entstanden in einer sehr unruhigen Zeit, die von Bürgerkriegen und Zerfall der chinesischen Fürstentümer in der östlichen Zhou-Dynastie geprägt war. Im Mittelpunkt seiner Lehren stand die Tugendhaftigkeit – wenn jeder Einzelne tugendhaft handelt, würde sich von selbst eine Ordnung in der Gesellschaft einstellen. Das war seine Grundannahme. Er sah den Menschen also im Herzen als Gut an.
Um seine Lehre unters Volk zu bringen, versuchte sich Konfuzius als Berater der Fürsten, was ihm jedoch nie wirklich gelang.

Er ging auf Wanderschaft und begann damit, seine Weisheiten an Schüler weiterzugeben – Konfuzius hielt Bildung, Neugierde und Wissen für unermesslich wichtig und wollte, dass Bildung frei für jeden zugänglich ist. Innerhalb kürzester Zeit versammelte er der Legende nach 3000 Schüler um sich, welche seine Lehre begeistert aufnahmen und weiter entwickelten.
Wahren Ruhm erfuhr Konfuzius erst nach seinem Tod, als seine Schüler nach und nach die ersten Schriften in Form von Frage-Antwort-Gesprächen veröffentlichten und seine Lehre so für die breite Bevölkerung zugänglich machten.

Die Lehren von Konfuzius

„Wenn man noch nicht das Leben kennt, wie sollte man den Tod kennen?“

Grundsätzlich kann man sagen, dass Göttlichkeit kein großes Thema für Konfuzius war, weswegen der Konfuzianismus auch eine Philosophie und keine Religion ist.
Es ging Konfuzius um die Bewältigung des Alltags. Auf Fragen über den Tod oder andere esoterische Themenbereiche, mit denen sich der Taoismus und der Buddhismus mehr beschäftigen, gab er keine direkten Antworten.
Auch Meditation ist im Konfuzianismus nicht so grundlegend wie in den anderen chinesischen Lehren.

Für Konfuzius war am Wichtigsten, dass jeder Mensch übt, ein edler Mensch zu sein.
Ein edler Mensch zeichnet sich dadurch aus, dass er die fünf konfuzianischen Kardinaltugenden verinnerlicht hat und diese ohne Ausnahme praktiziert und in die Welt hinaus trägt.

  • Mitmenschlichkeit
    Die höchste der fünf Tugenden. Sie verbietet böses Handeln, Rachegefühle, Prahlerei und Eroberungssucht gegen andere Menschen – man soll also nicht auf den eigenen Vorteil bedacht sein.
  • Sittlichkeit
    Der Drang nach Ordnung zeigt sich in der Sittlichkeit, die Konfuzius fordert. Zu seiner Zeit galt es beispielsweise als sittenhaft, dass Frauen und Männer nicht auf der gleichen Straßenseite laufen durften. Ein Leben ohne Sitte bringt Chaos.
  • Rechtschaffenheit
    In jeder Lebenssituation das Richtige zu tun, unabhängig von eigenen Vorlieben oder Abneigungen, das ist für Konfuzius die Rechtschaffenheit. Sie ist geprägt von höheren Werten und klammert die persönlichen Beweggründe aus.
  • Weisheit
    Das Wissen solle stets erweitert und verinnerlicht werden sowie weitergegeben werden. Durch Verinnerlichung und Erfahrung wird aus dem Wissen die Weisheit.
  • Vertrauenswürdigkeit
    Damit meint Konfuzius Authentizität und Aufrichtigkeit. Handlung und Rede sollen miteinander übereinstimmen. Worte ohne folgende Handlung sind für ihn wertlos.

„Indem man über andere schlecht redet, macht man sich selber nicht besser.“

Konfuzius brachte seinen Schülern die sechs Künste Rechnen, Schreiben, Bogenschießen, Wagenlenken, Musik und Riten bei. Vor allem auf die Riten legte der Meister hohen Wert, zum Beispiel die dreijährige Trauerzeit nach einem Todesfall.
Mit sich selbst war Konfuzius nie zufrieden und war auch im hohen Alter noch immer darauf bedacht, sich selbst weiterzuentwickeln und zu vervollkommnen.
Des weiteren predigte Konfuzius vor allem die Pietät – die angemessene Ehrung der Eltern. Man zeigt tiefe Dankbarkeit, indem man den Eltern gehorcht und sich im Alter um sie kümmert.

Für Individualität und freie Entfaltung eines Einzelnen ist im Konfuzianismus kein Platz gewesen. Zwar entsteht laut seiner Lehre die Tugend aus dem Menschen heraus, so dass die Einhaltung von Sitten und Riten, wie etwa nicht gemeinsam mit einer Frau auf der selben Straßenseite zu laufen, ohne Zwang geschieht.
Dennoch wirkt das auf mich eher einschränkend und ich kann mich mit dem Gedanken nicht anfreunden, weil es auf mich so wirkt, dass man einfach die eigene freie Entfaltung unterdrückt.

Generell beschäftigen sich die Lehren des Konfuzius sehr mit dem Staat. Er setzt zwar voraus, dass sich eine natürliche Ordnung im Staat herstellt, wenn jeder Einzelne nur tugendhaft lebt. Dennoch hatte er stets die Politik im Blick.
Während dies im Taoismus zum Teil ebenfalls der Fall ist, legt der Buddhismus seinen Fokus bereits auf andere Werte.

Kon-Fazit

Wie jede alte Lehre hat sich auch der Konfuzianismus weiter entwickelt und sich in andere Schulen unterteilt. So entstand ab dem 11. Jahrhundert der Neo-Konfuzianismus, welcher deutlich von Taoismus sowie Buddhismus geprägt war.
Auch der Neokonfuzianismus spaltete sich in neue Schulen auf, unter anderem in die Schule der Cheng-Brüder, welche sich deutlich vom Taoismus und Buddhismus distanzierte und sich wieder auf die alten Lehren von Konfuzius besann.

Der Konfuzianismus ist im Grunde genommen eine moralische Lehre und bietet Verhaltensregeln für eine harmonische und geordnete Gesellschaft. Spirituelle Aspekte oder Fragen über den tieferen Sinn des Lebens sind nicht Teil der Philosophie.
Es geht im Konfuzianismus um das Leben im Diesseits.

Egal, ob man all die weisen Zitate nun ihm oder unbekannten Autoren zuordnet – Konfuzius hinterließ uns eine Lehre, die es wert ist, betrachtet zu werden. Im Vergleich zu früher hat der Konfuzianismus in China an Relevanz verloren, im Kern scheint er aber das fernöstliche Gedankengut nachhaltend geprägt zu haben.

Ich hoffe, der kleine Exkurs war interessant für dich. Nächstes mal wird es um den Taoismus gehen 😉

Danke fürs Lesen!
Dein Chris

Als Quellen dienten mir „Der Konfuzianismus“ von Hans van Ess (2009) sowie „Konfuzius“ von Martina Darga (2001).

Dankbarkeit macht glücklich

Vielen Dank, dass Du heute wieder auf unseren Blog gestoßen bist.

„Oh nein, nicht schon wieder ein Beitrag über Dankbarkeit. Davon gibt es schon so viele im Netz.“ – vielleicht denkst Du das gerade. Und ja, an jeder Ecke spricht man von Dankbarkeit. Wie wichtig sie für ein erfülltes Leben ist und wie glücklich Dankbarkeit machen kann.
Aber meiner Meinung nach wird noch immer nicht genug darüber gesprochen, denn ich kenne so viele Menschen, denen es nicht gelingt, Dankbarkeit in ihrem Leben zu empfinden. All die kleinen Dinge sind für sie wertlos; sie legen ihren Fokus auf das Negative in ihrem Leben oder wollen immer das haben, was sie nicht haben können.

Ja, wieder ein Beitrag über Dankbarkeit. In der Hoffnung, dass das Thema wieder ein paar Menschen mehr trifft – vielleicht auch Dich!

„Glück ist nicht, die ganze Zeit das zu bekommen, was man will. Es ist das zu lieben, was Du hast und dankbar dafür zu sein.“

Wenn alles gut läuft, wir uns in einer glücklichen Beziehung befinden oder endlich den Job haben, von dem wir solange geträumt haben, empfinden wir meistens ganz von alleine Dankbarkeit. In diesen Phasen scheint sowieso alles zu laufen und wir sind zufrieden mit dem Leben, wie es ist.
Knifflig wird es, wenn das Leben nicht so läuft, wie wir es gerne hätten. Wenn wir durch schmerzhafte Phasen gehen. Unsere glückliche Beziehung bricht entzwei, wir verlieren unseren Traumjob und unsere Tage sind vom Pech verfolgt.
Glaub mir – ich kann verstehen, wie schwer es fallen kann, in diesen Zeiten Dankbarkeit zu empfinden. Ich glaube an die Sachen, die ich auf diesem Blog vermitteln möchte, doch ich merke auch jedes mal selbst, dass die gut gemeinten Tipps wertlos erscheinen, wenn wir in einer wirklich schlimmen Phase unseres Lebens stecken.

Doch gerade in diesen schlimmen Phasen können wir dankbar sein. Meistens merken wir es erst später, wenn wir auf diese Zeit unseres Lebens zurückblicken und wir merken, dass wir durch diese harte Zeit erst der Mensch geworden sind, der wir nun eben sind.
Freundschaften, in denen man gemeinsam durch harte Zeiten geht, sind im Anschluss meist noch viel tiefgehender. Ist das etwa kein Grund für Dankbarkeit?
In erster Linie sind all die Sachen, die uns widerfahren Erfahrungen. Ich möchte sie nicht in gut und schlecht einteilen – eher in angenehm und unangenehm. Und Erfahrungen sind zum Lernen da – wir lernen sowohl aus den angenehmen Erfahrungen, als auch aus den unangenehmen. Wobei wir aus den unangenehmen Erfahrungen wahrscheinlich noch mehr lernen können…

Diese Erfahrungen machen uns zu den Charakteren, die wir nun mal sind. Sie zeigen uns das Leben aus einer anderen Perspektive, eine Perspektive die auch wehtun kann. Aber warum nicht dankbar dafür sein?
Stell dir vor, eines Tages bist Du Vater oder Mutter. Dein Kind ist in einem Alter, in dem es die ersten Erfahrungen mit der Liebe macht. Wie hilfst Du deinem Kind, wenn es Liebeskummer hat, Du diesen aber selbst nie erfahren hast? Vielleicht lief bei dir alles glatt und du wurdest nie verlassen – und das ist toll! Doch in diesem Moment wäre ich dankbar, diese Erfahrung gemacht zu haben, um verstehen zu können, was in meinem Kind passiert. Wirklich helfen kann man dabei nicht, am Ende muss jeder seine eigenen Erfahrungen machen. Aber zu wissen, dass man nicht allein ist – vielleicht hilft das.

Wenn etwas schief läuft, nimm dir Zeit um zu spüren, was alles gut läuft.

Ich halte nicht viel von Vergleichen, denn in den meisten Fällen lassen sie uns schlecht fühlen. Wir vergleichen uns mit dem Nachbarn, der ein neues Auto fährt. Mit anderen Studenten, die viel weniger lernen als wir und viel bessere Noten schreiben. Mit Arbeitskollegen, die mehr verdienen. Mit Menschen, die weniger wiegen als wir oder aus irgendeinem Grund hübscher aussehen sollen als wir.
Diese Vergleiche ziehen uns runter und halten uns definitiv davon ab, eine gewisse Zufriedenheit zu erreichen. Doch es gibt auch Vergleiche, die uns eben dankbar machen.
Denn es könnte eben wirklich schlimmer sein – immer. Uns geht es häufig schlecht und die Themen die uns beschäftigen, sind oft wirklich schlimm und bedrückend. Doch dabei verlieren wir oft aus den Augen, was eigentlich alles gut läuft.
Allein unser hoher Lebensstandard in der westlichen Welt lässt fast nur noch Luxusprobleme zu. Wir grübeln über Sachen, die uns niemals interessieren würden, wenn wir für uns und unsere Familie täglich ums Überleben kämpfen müssten. Wir ärgern uns dauernd über unsere Eltern während andere ihre bereits verloren haben oder sie krank sind.
Wir selbst wissen unsere Gesundheit meist nicht zu schätzen, bis wir krank werden.
Wir können sehen, sprechen und hören. Viele Menschen können nicht einmal das – doch für uns ist es selbstverständlich, die Welt jeden Tag zu sehen. Und die Menschen, die wir lieben.
Unsere Lieblingssongs zu hören. Und uns mitteilen zu können.
Wir streben einfach immer nach mehr und vergessen dabei zu häufig, was wir schon längst haben.

Dankbarkeit ist ein effektiver Schlüssel gegen Selbstverständlichkeit

Im Alltag kannst Du immer wieder bewusst Dankbarkeit praktizieren. Das passende Stichwort dazu ist Achtsamkeit. Je mehr ich mich selbst mit all den Themen des Blogs beschäftige, desto öfter merke ich, dass Achtsamkeit der Kern jeden Themas ist. Mittlerweile glaube ich, dass Achtsamkeit ein sehr starkes Fundament für ein glückliches und erfülltes Leben ist.
Im Folgenden möchte ich dir ein paar Möglichkeiten aufzeigen, wie Du mehr Dankbarkeit in dein Leben holen kannst.

  • Führe ein Dankbarkeitstagebuch
    Das ist die wohl effektivste Maßnahme, die ich selbst gerne mache. Schreibe jeden Abend 5 Dinge auf, für die Du dankbar bist. Vielleicht sind dir diese Dinge am Tag passiert, zum Beispiel hat jemand etwas aufgehoben, was Du hast fallen lassen oder jemand konnte dir Geld für den Parkautomaten wechseln. Vielleicht bist Du aber auch einfach dankbar für deine Gesundheit und deine Familie, für deine Wohnsituation und die Möglichkeit, dich generell entfalten zu können.
    Am Anfang ist es vielleicht schwer, aber wenn Du dich wirklich täglich hinsetzt, sprudeln die Dinge für die Du dankbar sein kannst, nur so aus dir heraus. Und die meisten werden Sachen sein, die Du zuvor für selbstverständlich gehalten hast.
  • Bringe mehr Achtsamkeit und Meditation in dein Leben
    Dadurch entschleunigen wir unseren stressigen Alltag und werden im Alltag automatisch offener für die kleinen Dinge. Achtsamkeit bedeutet nichts anderes, als voll und ganz im Moment zu leben. Wir spüren automatisch tiefe Dankbarkeit, wenn wir voll und ganz ins Hier und Jetzt eintauchen und unser Leben wirklich wahrnehmen. Diese Momente sind selten, da wir meistens immer mit irgendwelchen Sachen beschäftigt sind, die ja so unfassbar wichtig sind.
    Meistens sind sie das nicht. Nimm dir mehr Momente für dich – umso mehr Kraft hast Du nachher, diese Sachen zu erledigen. Und 10 Minuten am Tag für sich selbst hat jeder Mensch.
  • Zeige Dankbarkeit
    Anfangs mag es ungewohnt sein, doch wenn Du deinen Freunden und Mitmenschen öfter mal Komplimente machst und ihnen zeigst, wie dankbar Du dafür bist, sie an deiner Seite zu haben, wird es dich selbst glücklich machen – denn so machst Du dir selbst bewusst, wie viel Glück Du eigentlich hast.

„Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“ – Francis Bacon

Bereits in meinem Beitrag zu Introversion habe ich darüber geschrieben, wie unglücklich mich meine vielen Eigenschaften gemacht haben. Meine ruhige Art, meine Vorliebe fürs Alleinsein oder meine vielen Gedanken – ich konnte mich für all diese Eigenschaften einfach nicht mögen. Sie haben mich gestört, dabei sind sie Teil meines Wesens.
Irgendwann konnte ich sie aus einem anderen Blickwinkel betrachten und sie als Stärke empfinden. Ich konnte plötzlich Dankbarkeit für diese Eigenschaften empfinden. Und diese Dankbarkeit führte dazu, dass ich mich dafür nicht mehr rechtfertigen musste. Ich wurde gelassener und glücklicher.

Egal, wie schwer unser Leben auch ist – ich bin mir sicher, dass wir immer etwas finden können, wofür wir dankbar sind.
Manchmal müssen wir etwas länger suchen, doch im Dunkeln sieht man auch nicht immer alles.

Bist Du dankbar für die Dinge in deinem Leben oder fällt es dir schwer, Dankbarkeit zu empfinden? Schreib gerne einen Kommentar 🙂

Dein Chris!

Allein in Schottland

Vor genau einem Jahr saß ich in einem Flugzeug in Richtung Schottland. Es sollte eine Selbstfindungsreise werden, denn ich habe gerade den Traum aufgegeben, Förster zu werden und wollte für mich wissen, wie es weitergehen wird.
In welche Richtung sollte ich gehen?
Noch nie zuvor war ich alleine im Ausland, doch ich freute mich auf die kommenden 16 Tage.

Rannoch Moor zählte zu meinen Highlights auf der Wanderung


Mein Plan war es, den West Highland Way zu gehen – 154 km entlang der Westküste Schottlands hochlaufen, von Milngavie bis Fort William. Von dort aus nach Loch Ness und über Inverness nach Edinburgh.
Ich war erst einmal vorher alleine Wandern gewesen, für sechs Tage im Elbsandsteingebirge – ich kann diese wunderschöne Ecke im Osten Deutschlands (Sächsische Schweiz) von ganzem Herzen empfehlen! Doch mit jedem Tag, der dem Flug nach Glasgow näher kam, bekam ich etwas mehr Sorge. Bin ich auf alles vorbereitet? Waren 16 statt 6 Tage vielleicht ein zu großer Sprung? Werde ich mit der Sprache klar kommen?
Mehr Gedanken als nötig, denn diese Wanderung war von mir sowieso so geplant gewesen, in den 16 Tagen einfach frei zu sein, für mich zu sein und in den Tag zu leben.

Bei meiner Ankunft in Glasgow, nachdem sich mein Flug um vier Stunden nach hinten verschoben hat, trat ich aus dem Flugzeug heraus und blickte sofort auf die angrenzenden Berge, die Kilpatrick Hills. Ich hatte schon ein Hostel für die Nacht gebucht, weil ich dachte, es wäre toll, die Stadt zu sehen. Meine Beine trugen mich stattdessen zu den Bergen, als würde ein innerer Kompass mich in diese Richtung zwingen.
Sofort war ich erstaunt von der Umgebung. Direkt hinter dem Flughafen wurde die Gegend so unglaublich ländlich, überall um mich herum fanden sich diese typischen Steinmauern und Weiden voller Schafe und Rinder. Ich schlug mein erstes Nachtlager an einem Fluss auf, blickte von dort aus auf die Berge und freute mich auf die kommenden Tage.

Im Weihnachtspulli durch Kinlochleven…

Ich könnte viel erzählen – von Frank, dem Schotten, mit dem ich gemeinsam durch das Moor gewandert bin. Von unglaublichen Aussichten auf Loch Lomond, dem größten See Schottlands. Von meiner Besteigung des Ben Lomond – ich stand gerade 2 Minuten auf dem Gipfel, da peitschte mir ein unglaublicher Hagelsturm ins Gesicht. Das war der abenteuerlichste Abstieg meines Lebens.
Mein erstes mal Haggis – klingt ekelig, ist aber wirklich verdammt lecker!
Meine Nacht auf dem Friedhof von Inverness, wo ich auf der Reise nach Edinburgh einen Halt machte.
Ich könnte wirklich viel erzählen…


Doch darum geht es mir gar nicht. Viel mehr geht es mir darum, warum ich das gemacht habe. Denn so oft werde ich gefragt, warum ich denn alleine wandern gehe.
„Das wäre mir zu langweilig“, „da hätte ich Angst“ oder „du bist komisch“ kommt meistens zurück, wenn Leute hören, dass ich alleine los ziehe. Dabei ist alleine wandern alles andere als langweilig – denn sobald die Ablenkungen wegfallen, wird es erst spannend. Dann lernt man sich wirklich selbst kennen, kann nicht mehr weglaufen vor seinen Problemen. Das ist nicht immer angenehm. Aber wieso sollte es das auch sein?

Wandern ist für mich immer eine Art des Fastens. Ich verzichte bewusst auf mein Bett, auf warmes Essen, vielleicht auch auf Gesellschaft… Wobei mir vor allem in Schottland aufgefallen ist, wie sehr sich meine Art zu wandern seit meiner ersten Wanderung im Herbst 2016 verändert hat.

Mein Lager in Kinlochleven – der schönsten Stadt des WHW

„… Doch wird mir wieder einmal bewusst, dass mein Rückzug in die Einsamkeit nur dazu führt, dass ich die Gesellschaft umso mehr schätze. […] Lange nahm ich an, ich würde wandern, weil ich die Gesellschaft so sehr hasse. Dabei gehe ich wandern, weil ich die Gesellschaft so sehr liebe.“

Ich mecker immer wieder gern über die „Gesellschaft“ und könnte nicht mal erklären, was „die Gesellschaft“ eigentlich ist. Ich beschwere mich über Smartphones und nutze doch immer wieder die Vorteile, die sie bringen. Manchmal denke ich, ich bin ein festgefahrener Rentner.
Immer wieder stelle ich beim Wandern fest, dass ich im Kern diese Sachen nicht von mir weisen kann und dass es Energieverschwendung ist, gegen diese Sache anzukämpfen und mich zu beschweren. Natürlich werde ich wütend, wenn ich sehe, dass sechsjährige Kinder nur mit ihrem Handy und nicht mit ihren Freunden beschäftigt sind – und ich denke bei dieser Sache auch nicht, dass sich das für mich ändern wird.
Doch ich merke auch immer wieder, dass jede Generation so skeptisch auf die nachfolgende blickt. Als die Romane erfunden wurden, warnte man vor Lesesucht. Mit Beginn des Zeitungsdrucks, wurde es mit Sicherheit ähnlich ruhig in den Bahnen, wie heute, wo alle auf ihr Handy starren. Und als Elvis das erste mal im Fernsehen zu sehen war, werden die Erwachsenen wahnsinnig geworden sein (heute ist es eben 187-Straßenbande…).
Ja – ich schätze die Zeit in der ich lebe. Immer wieder vergesse ich das, doch ab und zu fällt es mir wieder ein. Vor allem in der westlichen Welt könnte es uns so gut gehen, doch wir suchen nur die Probleme.

Damals war ich so gefesselt von „Into the Wild“, dass ich diesem Ideal vollkommen nacheiferte. Um kein Geld der Welt hätte ich unterwegs in einer Herberge geschlafen und ich hätte auch nur das gegessen, was ich dabei hatte.
Mittlerweile genieße ich gerne zwischendurch den Luxus einer Herberge und esse auch gerne mal in einer Gaststätte – so lernt man oft auch Leute aus der Gegend kennen und belohnt sich selbst für die Strapazen der Wanderung. Doch früher war Wandern für mich die reinste Askese. Es hatte für mich etwas mit Ehre und Stolz zu tun, auf alles zu verzichten.

Was ich noch immer so am Wandern liebe, ist die Dankbarkeit, die ich danach für die kleinsten Dinge des Alltags empfinde. Wenn man mal ein paar Tage auf fließendes Wasser verzichtet und mitunter auch in Situationen gerät, in denen man Panik hat, keines mehr zu finden, steht man am Ende lachend zuhause im Badezimmer und bewundert den Wasserhahn.
Genauso wie jeder von uns Wanderern sich am Ende auf das eigene Bett und ein heißes Bad oder eine heiße Dusche freut.

Allein, irgendwo in den Wäldern von Loch Ness…

„Was mir heute sehr bewusst wurde, ist, dass jeder Mensch Probleme braucht, sie sich im Notfall (oder eher im Normalfall) sogar selber macht, hauptsache man kann mit seinen Problemen beschäftigt sein. Nahezu panisch suche ich beim Wandern mein Leben nach Problemen ab und erkenne immer wieder, dass ich mich das erste mal an einem Punkt in meinem Leben befinde, der frei ist von Problemen.“

Das soll nicht heißen, dass Menschen nie durch wirklich schwere Zeiten gehen oder dass ich frei davon bin und über allem stehe – gerade in dieser Zeit, in der ich absolut nicht wusste, was ich beruflich tun sollte und mich selbst nicht mehr wieder erkannt habe. Ich habe damals aber erkannt, dass es darauf ankommt, wie wir unsere Erfahrungen bewerten. Und damit sind wir wieder bei der Kraft der Gedanken.
Uns geschehen dauernd Sachen, die wir entweder als Probleme oder einfach als Leben wahrnehmen können. Nichts ist unlösbar. Manches ist verdammt knifflig und unglaublich unangenehm, aber es ist lösbar, einfach nur Teil unseres Lebens.
Ich weiß nicht, ob ich nur für mich spreche, aber ich habe definitiv lange Zeit immer nach Problemen gesucht und mir auch selbst welche gemacht. Mit steigender Achtsamkeit wird es besser, doch ab und zu rutsche ich wieder in dieses Verhalten.

Beobachte das mal bei dir – sobald Du eine Herausforderung gemeistert hast, wird mit Sicherheit direkt die nächste auf dich warten, bevor Du überhaupt den Stolz auskosten konntest, die erste Herausforderung gemeistert zu haben.

„Eine Wanderung lässt dich das Leben spüren, genau so lässt dich jedoch ein Abend in Geborgenheit, Wärme und leckerem Essen mit deinen Liebsten das Leben spüren, nur auf andere Art und Weise. Es braucht beide Erfahrungen, um beides wirklich wertschätzen zu können und so das meiste aus dem Leben rausholen zu können.“

Das war eine der wichtigsten Erkenntnisse für mich auf dieser Reise. Sie kam mir am Ende eines langen Tages, und egal wie simpel und einleuchtend sie auf dich wirkt, mich hat sie in diesen Stunden wirklich umgehauen. Das erste mal habe ich die Dualität des Lebens wirklich begriffen.
Du kannst Glück von Trauer nicht unterscheiden, wenn Du nur eines der beiden kennst. Gäbe es nur Regen auf der Welt, wäre es für uns in Ordnung. Wir würden nur Regen kennen. Stattdessen wissen wir, wie toll ein sonniger Tag sein kann und sehen den Regen als schlecht an. Ohne Schwarz kein Weiß. Ohne Yin kein Yang.

Versuch, diese Dualität in deinem Leben wahrzunehmen. Sie macht wirklich zufrieden.

„Happiness is only real when shared“ – Chris McCandless

Ich habe zu dieser Zeit jeden einzelnen Tag im Tagebuch festgehalten – die Zitate in diesem Beitrag stammen aus diesem Tagebuch. Rückblickend habe ich gemerkt, dass ich in diesen 16 Tagen wirklich einiges für mich erkannt habe und dass es ein unglaublich wichtiger Schritt für mich war, alleine ins Ausland zu gehen.

Letztendlich muss man der Typ dafür sein. Aber zumindest ausprobieren sollte jeder das mal – warum nicht einfach mal für ein Wochenende allein irgendwo hinfahren? Im schlimmsten Fall merkst Du, dass das nicht deins ist. Im besten Fall merkst Du, dass etwas hochkommt, sobald Du allein bist – daran kannst Du arbeiten und dich wirklich kennen lernen.

Ich hoffe, mein Beitrag hat dir gefallen und vielleicht hast Du ja nun eine Anregung für deinen nächsten Urlaub bekommen – ich kann den West Highland Way auf jeden Fall empfehlen.
Wenn Du ihn schon gelaufen bist, dann schreib mal deine Erfahrungen aus Schottland in die Kommentare – ich bin gespannt, wie Du all das wahrgenommen hast.

Danke fürs Lesen!

Dein Chris


Kleine Tipps für den West Highland Way
– auf den meisten Teilen des Weges ist Wildcampen erlaubt – nutz das aus und lerne die Natur Schottlands kennen!
– probier Haggis!
– verbringe ab und zu eine Nacht im Hostel – die Herbergen in Rowardennan und in Crianlarich kann ich von ganzem Herzen empfehlen. So hast Du auch die Chance, mit anderen Leuten in Kontakt zu kommen!
– falls Du ebenfalls nach Inverness reisen möchtest, schau im King’s Highway vorbei. Du hast dort eine Getränke-Flatrate und kannst günstig aber gut dort essen!

Bücher, die unter die Haut gehen

Letzte Woche gab es von mir einen Beitrag zum Thema Akne und somit auch gleichzeitig über die Haut. Ich finde, unsere Haut ist ein faszinierendes Organ. Schon allein ihre Größe von 1,5-2 Quadratmetern ist bemerkenswert und ihre Schutzfunktion für unseren Körper ist enorm, schließlich ist sie die erste Barriere auf die Fremdstoffe und Krankheitserreger treffen. Außerdem ist die Haut unfassbar clever und kann sich – normalerweise – wunderbar selbst regulieren und benötigt im Grunde unsere Hilfe in Form von Kosmetika und Cremes überhaupt nicht.

Das Thema Hautgesundheit liegt mir sehr am Herzen, gerade weil ich seit ich denken kann selbst betroffen bin und schon solange nach Tipps, Tricks und bestenfalls Lösungen suche, aber mir erst nach und nach bewusst wird, dass es nicht nur um die Haut als solches sondern um die Haut als gesamtes Organ und somit als Teil unseres Organismus geht, dass Erkrankungen und Disbalancen anderer Organe Auswirkungen auf unsere Haut haben und umgekehrt.

Weil ich das Thema so interessant finde, wollte ich euch heute zwei Bücher vorstellen, die ich regelrecht verschlungen habe. Selbst für Menschen, die eher kein Fan von Sachbüchern sind (war ich bis vor zwei Jahren auch überhaupt nicht) sind die Bücher interessant und kurzweilig und absolut gar nicht einschläfernd 🙂

Buch Nr. 1: Yael Adler – Haut nah: Alles über unser größtes Organ

Dieses Buch habe ich als Hörbuch gehört und gleich nach dem ersten Hören wieder von vorne begonnen, weil es so interessant war. Beim zweiten Mal war Chris mit dabei auf einer längeren Autofahrt nach Göttingen und auch er fand es super interessant. Es wird von der Autorin selbst vorgelesen, was mir sehr gut gefiel. Sie hat eine sympathische Stimme und liest gekonnt und mit viel Charme vor. Ich persönlich würde allerdings empfehlen, dieses Buch selbst zu lesen, da es mit Bildern veranschaulicht ist und noch einen recht großen Anhang mit Rezepten für Cremes, Badezusätze u.Ä. enthält. Außerdem glaube ich, dass man bei einer solchen Informationsflut beim selbst lesen besser den Überblick behält und man kann bei Bedarf immer wieder Nachschlagen.

Yael Adler stellt die verschiedenen Hautschichten vor, Hautkrankheiten, Hautkrebs und seine Entstehung, wie man seine Haut wirklich richtig vor der Sonne schützt, wie man seine Haut richtig pflegt (nämlich am besten eher zu wenig als zu viel!), usw. Selbst bei scheinbar so banalen Dingen wie dem Duschen, das man ja meist automatisch macht, ohne groß darüber nachzudenken, kann man in Bezug auf die Haut einfach so viel falsch machen (zu heiß, zu viel Seife, die falsche Seife, zu lange, …). Sie entlarvt außerdem die Mythen und Lügen der Kosmetikindustrie und geht auf den Zusammenhang zwischen der Ernährung und Hautkrankheiten ein (und der Zusammenhang ist groß – siehe mein letzter Beitrag zum Thema Akne). Teilweise beschreibt sie anhand von Anekdoten (teilweise ihrer eigenen Patienten), aber auch generell ist es immer äußerst anschaulich beschrieben und so interessant wie ein guter Roman. Das Buch enthält wirklich einmal alles über die Haut von A – Z und das in kurzweiliger und oft humorvoller Form und kein bisschen trocken.

Für mich hatte das Buch einen sehr großen Mehrwert. Einiges wusste ich bereits, anderes wiederum wollte ich nie so wirklich wahrhaben (bspw. dass weniger mehr ist in Bezug auf die Pflege der Haut). Aber ich habe viel gelernt und versuche, so viel es geht davon in mein Leben zu integrieren und hoffe, meine Haut wird es mir danken. Zu gewissen Hautkrank-heiten hätte ich gern noch ein wenig mehr gelernt und nähere Informationen erhalten, wie man sie verhindern oder heilen kann, aber hier liegt der Fokus eher auf einem breiten Informationsspektrum zu allen Themen, also auf detaillierten Infos zu bestimmten Punkten. Super, um einen Überblick zu bekommen und für einen Einstieg in das Thema.

Buch Nr. 2: Michaela Axt-Gadermann – Schön mit Darm

Jetzt wundert ihr euch sicher, weil ich doch oben geschrieben habe, ich stelle euch zwei Bücher über die Haut vor, und nun komme ich mit einem Buch über den Darm an… Es stimmt, das Buch handelt in erster Linie vom Darm. Jedoch wird hier ganz intensiv Bezug genommen auf den Zusammenhang zwischen Darm und Haut, und auch wenn man es kaum glauben mag, aber dieser Zusammenhang ist einfach riesig. Die Autorin nennt den Darm liebevoll „das Kosmetikstudio in unserem Bauch“.

Schon ein Blick ins Buch bei Amazon wird euch zeigen, dass das Buch sehr ansehnlich gestaltet ist. Viele Abbildungen, bunte Tabellen und  Infokästen – sowas mag ich, weil ich mir Informationen so immer viel besser merken kann. Es ist auch gut nach Themen unterteilt und man kann so immer wieder nachschlagen. Am Ende finden sich auch einige Rezepte, die der Darm- und somit auch der Hautgesundheit dienen. Einige habe ich schon ausprobiert und kann sie nur empfehlen!

Die Autorin erklärt, wie die Bakterien in unserem Darm und auf unserer Haut uns gut tun und schützen, warum unsere Haut altert, wie uns unser Darm – im Falle eines gesunden Darms – vor Hautkrankheiten schützen kann und somit natürlich auch umgekehrt: wie ein kranker Darm uns Hautprobleme bescheren kann, wie wir jedoch ein gutes Darmklima über unsere Ernährung erschaffen und erhalten können und, was mir ganz besonders gefiel: sie geht auf verschiedene Hautkrankheiten wie Akne, Rosacea, Neurodermitis und Schuppenflechte ein und gibt anhand einer Tabelle genaue Informationen  darüber, welche Darmbakterien die jeweilige Krankheit möglicherweise begünstigen und welche Darmbakterien die Krankheit regulieren können. So kann man mit der Gabe spezieller Probiotika passend zu dem jeweiligen Krankheitsbild versuchen, eine Besserung zu erzielen.

Auch aus diesem Buch habe ich super viele Informationen und Tipps mitgenommen, einiges steht nun auf meiner Liste der Dinge, die ich in Bezug auf mein Seborrhoisches Ekzem noch ausprobieren möchte.

Beide Bücher sind für Laien absolut verständlich, humorvoll und interessant geschrieben, außerdem kurzweilig und beide sind kleine Nachschlagewerke. Wer sich mit seiner Haut auseinander setzen möchte, kann mit beiden Büchern gleichermaßen starten. Wer jedoch für bestimmte Hautkrankheiten Tipps und neue Heilungsansätze abseits der Standardmaßnahmen der meisten Ärzte sucht, wird eher im Buch „Schön mit Darm“ fündig werden.

Falls euch das Thema Haut interessiert, riskiert vielleicht mal einen Blick auf die Bücher – denn, ob ihr an einer Hautkrankheit leidet oder nicht, jeder von uns hat eine Haut und die gilt es, gesund zu erhalten bzw. gesund zu machen.

Lasst doch gerne einen Kommentar da, wie ihr die Bücher fandet falls ihr sie kennt oder wenn ihr weitere Buchempfehlungen zu dem Thema habt! Ich bin immer hungrig nach neuem Lesestoff 🙂

Liebe Grüße,

Eure Coco