Die Drei Lehren: Der Konfuzianismus

Mit Sicherheit kennst auch Du einen weisen Spruch, den man Konfuzius zuschreibt.
Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir – für immer.“ oder „Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem anderen zu.“ – das Internet ist voll von Weisheiten, die Konfuzius zugeschrieben werden. Ob er es wirklich gesagt hat oder nicht, werden wir niemals wissen. Doch dennoch lohnt es sich einen Blick auf Konfuzius und seine Lehren zu werfen.

In der nächsten Zeit möchte ich dir einen Überblick über die drei großen Lehren Chinas – dem Konfuzianismus, dem Taoismus und dem (Zen-)Buddhismus – verschaffen.
Heute fangen wir mit Konfuzius an. Viel Spaß!

Über Konfuzius

Konfuzius war ein chinesischer Philosoph, welcher 551 v. Chr. geboren wurde und mit 72 Jahren im Jahre 479 v. Chr starb.
Seine Lehren entstanden in einer sehr unruhigen Zeit, die von Bürgerkriegen und Zerfall der chinesischen Fürstentümer in der östlichen Zhou-Dynastie geprägt war. Im Mittelpunkt seiner Lehren stand die Tugendhaftigkeit – wenn jeder Einzelne tugendhaft handelt, würde sich von selbst eine Ordnung in der Gesellschaft einstellen. Das war seine Grundannahme. Er sah den Menschen also im Herzen als Gut an.
Um seine Lehre unters Volk zu bringen, versuchte sich Konfuzius als Berater der Fürsten, was ihm jedoch nie wirklich gelang.

Er ging auf Wanderschaft und begann damit, seine Weisheiten an Schüler weiterzugeben – Konfuzius hielt Bildung, Neugierde und Wissen für unermesslich wichtig und wollte, dass Bildung frei für jeden zugänglich ist. Innerhalb kürzester Zeit versammelte er der Legende nach 3000 Schüler um sich, welche seine Lehre begeistert aufnahmen und weiter entwickelten.
Wahren Ruhm erfuhr Konfuzius erst nach seinem Tod, als seine Schüler nach und nach die ersten Schriften in Form von Frage-Antwort-Gesprächen veröffentlichten und seine Lehre so für die breite Bevölkerung zugänglich machten.

Die Lehren von Konfuzius

„Wenn man noch nicht das Leben kennt, wie sollte man den Tod kennen?“

Grundsätzlich kann man sagen, dass Göttlichkeit kein großes Thema für Konfuzius war, weswegen der Konfuzianismus auch eine Philosophie und keine Religion ist.
Es ging Konfuzius um die Bewältigung des Alltags. Auf Fragen über den Tod oder andere esoterische Themenbereiche, mit denen sich der Taoismus und der Buddhismus mehr beschäftigen, gab er keine direkten Antworten.
Auch Meditation ist im Konfuzianismus nicht so grundlegend wie in den anderen chinesischen Lehren.

Für Konfuzius war am Wichtigsten, dass jeder Mensch übt, ein edler Mensch zu sein.
Ein edler Mensch zeichnet sich dadurch aus, dass er die fünf konfuzianischen Kardinaltugenden verinnerlicht hat und diese ohne Ausnahme praktiziert und in die Welt hinaus trägt.

  • Mitmenschlichkeit
    Die höchste der fünf Tugenden. Sie verbietet böses Handeln, Rachegefühle, Prahlerei und Eroberungssucht gegen andere Menschen – man soll also nicht auf den eigenen Vorteil bedacht sein.
  • Sittlichkeit
    Der Drang nach Ordnung zeigt sich in der Sittlichkeit, die Konfuzius fordert. Zu seiner Zeit galt es beispielsweise als sittenhaft, dass Frauen und Männer nicht auf der gleichen Straßenseite laufen durften. Ein Leben ohne Sitte bringt Chaos.
  • Rechtschaffenheit
    In jeder Lebenssituation das Richtige zu tun, unabhängig von eigenen Vorlieben oder Abneigungen, das ist für Konfuzius die Rechtschaffenheit. Sie ist geprägt von höheren Werten und klammert die persönlichen Beweggründe aus.
  • Weisheit
    Das Wissen solle stets erweitert und verinnerlicht werden sowie weitergegeben werden. Durch Verinnerlichung und Erfahrung wird aus dem Wissen die Weisheit.
  • Vertrauenswürdigkeit
    Damit meint Konfuzius Authentizität und Aufrichtigkeit. Handlung und Rede sollen miteinander übereinstimmen. Worte ohne folgende Handlung sind für ihn wertlos.

„Indem man über andere schlecht redet, macht man sich selber nicht besser.“

Konfuzius brachte seinen Schülern die sechs Künste Rechnen, Schreiben, Bogenschießen, Wagenlenken, Musik und Riten bei. Vor allem auf die Riten legte der Meister hohen Wert, zum Beispiel die dreijährige Trauerzeit nach einem Todesfall.
Mit sich selbst war Konfuzius nie zufrieden und war auch im hohen Alter noch immer darauf bedacht, sich selbst weiterzuentwickeln und zu vervollkommnen.
Des weiteren predigte Konfuzius vor allem die Pietät – die angemessene Ehrung der Eltern. Man zeigt tiefe Dankbarkeit, indem man den Eltern gehorcht und sich im Alter um sie kümmert.

Für Individualität und freie Entfaltung eines Einzelnen ist im Konfuzianismus kein Platz gewesen. Zwar entsteht laut seiner Lehre die Tugend aus dem Menschen heraus, so dass die Einhaltung von Sitten und Riten, wie etwa nicht gemeinsam mit einer Frau auf der selben Straßenseite zu laufen, ohne Zwang geschieht.
Dennoch wirkt das auf mich eher einschränkend und ich kann mich mit dem Gedanken nicht anfreunden, weil es auf mich so wirkt, dass man einfach die eigene freie Entfaltung unterdrückt.

Generell beschäftigen sich die Lehren des Konfuzius sehr mit dem Staat. Er setzt zwar voraus, dass sich eine natürliche Ordnung im Staat herstellt, wenn jeder Einzelne nur tugendhaft lebt. Dennoch hatte er stets die Politik im Blick.
Während dies im Taoismus zum Teil ebenfalls der Fall ist, legt der Buddhismus seinen Fokus bereits auf andere Werte.

Kon-Fazit

Wie jede alte Lehre hat sich auch der Konfuzianismus weiter entwickelt und sich in andere Schulen unterteilt. So entstand ab dem 11. Jahrhundert der Neo-Konfuzianismus, welcher deutlich von Taoismus sowie Buddhismus geprägt war.
Auch der Neokonfuzianismus spaltete sich in neue Schulen auf, unter anderem in die Schule der Cheng-Brüder, welche sich deutlich vom Taoismus und Buddhismus distanzierte und sich wieder auf die alten Lehren von Konfuzius besann.

Der Konfuzianismus ist im Grunde genommen eine moralische Lehre und bietet Verhaltensregeln für eine harmonische und geordnete Gesellschaft. Spirituelle Aspekte oder Fragen über den tieferen Sinn des Lebens sind nicht Teil der Philosophie.
Es geht im Konfuzianismus um das Leben im Diesseits.

Egal, ob man all die weisen Zitate nun ihm oder unbekannten Autoren zuordnet – Konfuzius hinterließ uns eine Lehre, die es wert ist, betrachtet zu werden. Im Vergleich zu früher hat der Konfuzianismus in China an Relevanz verloren, im Kern scheint er aber das fernöstliche Gedankengut nachhaltend geprägt zu haben.

Ich hoffe, der kleine Exkurs war interessant für dich. Nächstes mal wird es um den Taoismus gehen 😉

Danke fürs Lesen!
Dein Chris

Als Quellen dienten mir „Der Konfuzianismus“ von Hans van Ess (2009) sowie „Konfuzius“ von Martina Darga (2001).

Wie gehe ich mit Veränderungen um?

 „The only way to make sense out of change is to plunge into it, move with it and join the dance.“ (Alan Watts)

Veränderungen sind allgegenwärtig. Sie waren immer schon Teil des Lebens und werden es auch weiterhin bleiben – das ist vielleicht das Einzige, was sich nicht verändern wird.
Obwohl Veränderungen so gesehen zu unserem Alltag gehören, haben sehr viele Menschen große Probleme, mit diesen Veränderungen umzugehen. Während die einen sich einfach ungern damit konfrontiert sehen, hegen wieder andere eine beinahe panische Angst und klammern sich mit voller Kraft an den status quo.

Warum sollte man auch etwas verändern? In seiner Komfortzone zu leben und an alles gewöhnt zu sein, ist bequem. Es ist einfach. Und der Mensch macht sich sein Leben gern so einfach wie möglich.
Veränderungen hingegen sind mitunter äußerst anstrengend und erfordern Kraft, Mut und Ausdauer.
Man findet immer neue Argumente, die gegen die Veränderung sprechen – auch, wenn es für die Außenstehenden keinen Zweifel daran gibt, dass eine Veränderung angemessen ist. Beispielsweise, wenn jemand in einer unglücklichen Beziehung lebt oder einen Job ausübt, der ihn nicht glücklich macht.
Veränderungen haben auch immer mit Entscheidungen zu tun. Entscheidungen, egal ob „gut“ oder „schlecht“ (warum ich mit dieser Einteilung vorsichtig bin, erfährst du in einem anderen Artikel), bringen Konsequenzen mit sich, für die nur wir selbst die Verantwortung übernehmen können – niemand anders kann uns das abnehmen.
Bei einer Veränderung springen wir ins Unbekannte, müssen uns fallen lassen. Und das ist eine unglaublich schwere Aufgabe. Dazu kommt noch, dass wir Menschen uns dauernd die schlimmsten Szenarien ausmalen und uns Sorgen machen, wo es eigentlich gar nicht angebracht ist. Als würden wir permanent mit einem Regenschirm durch die Gegend laufen und nur darauf warten, dass es anfängt zu regnen.

„Krisen sind Angebote des Lebens, sich zu wandeln.“ (Luise Rinser)

Verstehe mich nicht falsch. All die Sorgen, die du dir im Falle einer Veränderung machst, können durchaus nachvollziehbar sein. Doch du darfst nicht vergessen, dass Veränderungen Teil des Lebens sind. Ein verdammt wichtiger Teil.
Leben ist Bewegung – alles ist ständig im Fluss. Alles andere ist unnatürlich. Bequem vielleicht. Aber es ist nicht natürlich.
Veränderungen bringen dich vorwärts, sie lassen dich alle Facetten des Lebens kennenlernen. Je mehr ich an meinem aufgebauten Leben hänge, desto schwerer trifft mich die Veränderung. Sie reißt mich von meinen Füßen, hinein ins Nichts. Doch genau hier ist der Startpunkt für so viel Großartiges – die ultimative Freiheit.  Es kommt dabei nur auf die innere Einstellung an: es ist wichtig, der Veränderung mit einer gewissen Achtsamkeit und Gelassenheit zu begegnen. Denn um ehrlich zu sein denke ich, dass jede Veränderung, grundsätzlich alles, was in deinem Leben passiert, genau zur richtigen Zeit kommt und aus guten Gründen passiert.
Veränderungen sind Herausforderungen. Du kannst nur wachsen und lernen. Du gewinnst und kannst im Endeffekt gar nicht verlieren.

Alan Watts hat das recht passend beschrieben: „The only way to make sense out of change, is to plunge into it, move with it and join the dance.“
Das ist es. Mach mit. Lass dich fallen und tanze, egal welche Musik das Leben auflegt. Es geht immer weiter, ob mit dir oder ohne dich – und wenn du schon die Wahl hast, warum machst du dann nicht mit? Und vielleicht gefällt dir der jetzige Song nicht, aber wer weiß, zu welchem Song du als nächstes tanzen darfst – vielleicht wird es dein Lieblingssong sein. Und den weißt du dann umso mehr zu schätzen.

Tipps zum Umgang mit Veränderungen

Werde dir deiner Glaubenssätze bewusst
Halte ich an meinem Zustand fest, weil ich ihn gewöhnt bin oder habe ich gute Gründe, daran festzuhalten? Welche Glaubenssätze und Selbstbilder hindern mich daran, mich auf die Veränderung einzulassen?
Mir wurde zum Beispiel oft gesagt, dass ich nicht singen könnte – das hat mich lange Zeit daran gehindert, mich zu trauen, vor anderen zu singen. Auch heute noch macht es mir Angst. Doch wenn man am Lagerfeuer sitzt, Gitarre spielt und singt, schert sich niemand wirklich darum, ob du wirklich singen kannst – es geht um den Moment.

Lerne deine Gedanken kennen

Angst entsteht durch Gedanken – übe dich in Meditation und lerne deine Gedanken kennen. So gewinnst du Distanz zu ihnen und entziehst dich ihrer oft destruktiven Macht.

Übe dich in Loslassen
Oft halten wir uns an Sachen fest, die uns durch Veränderungen entrissen werden können – ein Partner, der gut bezahlte, sichere Job, bequemer Alltag. Hier sollten wir uns in Loslassen üben.

Fokussiere das Positive
Wichtig ist, sich auf die positiven Seiten von Wandel zu fokussieren. Welche Veränderungen hast du bisher in deinem Leben durchgemacht? Welche Hürden hast du bisher gemeistert? Und welche Veränderungen haben dein Leben bisher zum positiven gewandelt? Oft merken wir in der Reflektion, dass selbst das größte Unglück eigentlich ein riesiges Glück war!
Stell dir vor, du bist auf dem Weg zu dem Bewerbungsgespräch für den Job deines Lebens. Die Bahn fährt ohne dich ab und du verpasst den Termin, deine Chance verpufft innerhalb von Sekunden und deine Lebensplanung zerspringt wie ein Spiegel vor deinen Augen. Und während du den Tränen nahe bist, steht neben dir am Bahnsteig die Frau, die später einmal deine Ehefrau sein wird. Du hättest sie niemals kennengelernt, wenn du die Bahn bekommen hättest. Dein Leben wäre anders verlaufen – mit Sicherheit gut, aber anders. Doch nun ist dieses Unglück dein Glück.

Perspektivenwechsel
Beschäftige dich mit der Veränderung, die ansteht. Welche positiven Seiten kann sie in dein Leben bringen? Notiere alles was dir einfällt und nehme so viele Sichtweisen wie möglich ein – betrachte es aus der Zukunft, aus der Sicht eines Freundes – sei kreativ. Und dann nimm dir Zeit um in dich zu gehen. Meditiere darüber und höre auf dein Bauchgefühl.

Es sind nicht die äußeren Umstände, die das Leben verändern, sondern die inneren Veränderungen, die sich im Leben äußern (Wilma Thomalla)

Worauf willst du zurückblicken? Auf ein bequemes, ruhiges Leben, wo alles immer nach Schema F lief?
Oder möchtest du deinen Enkeln von deinen Reisen, deinen Fehlern und deinen Sternstunden erzählen können? Sagen können, dass du es gemacht hast?

Teile uns gerne mit, wie du mit Veränderungen umgehst. Vielleicht hast du noch ein paar gute Tipps für uns!
Vielen Dank fürs Lesen!

Dein Chris 🙂