Eine Geschichte aus dem Zen-Buddhismus

Nachdem ich gemerkt habe, wie groß die Aufgabe eigentlich ist, über die drei großen Lehren Chinas zu schreiben, überbrücke ich meinen nicht eingehaltenen Termin mal mit einer kleinen Geschichte aus dem Zen-Buddhismus. Zen ist zwar keine der drei Lehren, da sie sich in Japan aus dem Taoismus und dem Buddhismus zusammengesetzt hat, dennoch ist sie es definitiv wert, auf unserem Blog behandelt zu werden.

Der Zen-Buddhismus ist zurzeit unglaublich interessant für mich. Ich entdecke jeden Tag mehr, wie gut Zen mir tut. Allerdings habe ich auch unglaublich großen Respekt über Zen zu schreiben, denn – so komisch es auch klingt – es gibt nichts zu schreiben.
Es gibt einige interessante und anschauliche Bücher zum Zen, doch es führt wirklich kein Weg dran vorbei, die Erfahrungen des Zen selbst zu machen.
Der Finger, der zum Mond zeigt, ist eben noch nicht der Mond…

Also – bevor ich hier Quatsch über ein Thema schreibe, dem meine Worte niemals gerecht werden könnten, gibt es einfach eine interessante Geschichte aus dem Zen. Vielleicht weckt sie dein Interesse. Oder du holst dir ein Buch.
Zu empfehlen sind:
Zen Zen. Die Weisheit des Nichtstuns [Alan Watts]
Zen im Alltag [Charlotte Joko Beck]
Zen leben: Ein Kurs in Gelassenheit [Brenda Shoshanna]


Die Autoren dieser Bücher stammen alle aus dem Westen und schaffen es dadurch, das Thema an unser westliches Verständnis anzupassen. Bücher von japanischen Autoren wie D. T. Suzuki stehen noch auf meiner Liste – da kommt mir die Thematik ungefilterter vor…

Falls es so rüberkommt, als hätte ich die Weisheit mit Löffeln gefressen und hätte Zen komplett durchschaut – ich habe es nicht. Doch mit jedem Tag komme ich dem Zen etwas näher.
Viel Spaß mit der Geschichte!

Man wird sehen…

Ein Bauer hatte ein Pferd, doch eines Tages lief es fort, sodass der Bauer und sein Sohn ihre Felder selbst pflügen mussten. 
Als die Nachbarn davon erfuhren, sagten sie: “Was für ein Pech, dass euer Pferd weggelaufen ist!” 
Aber der Bauer antwortete: 
“Man wird sehen.”

Eine Woche später kam das Pferd zum Bauernhof zurück und brachte eine ganze Herde wilder Pferde mit.
“So viel Glück!” riefen die Nachbarn,
doch der Bauer sagte:
 “Man wird sehen.”

Kurz danach versuchte der Sohn des Bauern, die wilden Pferde zu reiten – eines warf ihn ab und er brach sich ein Bein. 
“Oh, so ein Pech!” sagten die Nachbarn voller Mitleid, 
doch der Bauer sagte wieder: 
“Man wird sehen.”

Am nächsten Tag zog die Armee durch das Dorf, um junge Männer für die Schlacht zu gewinnen. Als sie sahen, dass das Bein des Sohnes gebrochen war, zogen sie an ihm vorbei.
“Was für ein Glück, daß dein Sohn nicht in die Schlacht ziehen muss!”
 freuten sich die Nachbarn.
Aber der Bauer bemerkte nur:
 “Man wird sehen.”

Eine kurze Geschichte mit soviel Weisheit, dass sie mich jedes mal aufs Neue fasziniert. Ich denke, dass alles, wirklich alles im Leben einen Sinn hat – alles was uns geschieht, jede Person die uns begegnet und jeder Fehler den wir machen – alles passiert aus einem guten Grund.
Genau das vermittelt diese Geschichte. Sachen, die erst schlecht aussehen, stellen sich manchmal als das Beste heraus, was uns passieren konnte.

Das war es für heute. Genieß den Tag!
Dein Chris