Allein in Schottland

Vor genau einem Jahr saß ich in einem Flugzeug in Richtung Schottland. Es sollte eine Selbstfindungsreise werden, denn ich habe gerade den Traum aufgegeben, Förster zu werden und wollte für mich wissen, wie es weitergehen wird.
In welche Richtung sollte ich gehen?
Noch nie zuvor war ich alleine im Ausland, doch ich freute mich auf die kommenden 16 Tage.

Rannoch Moor zählte zu meinen Highlights auf der Wanderung


Mein Plan war es, den West Highland Way zu gehen – 154 km entlang der Westküste Schottlands hochlaufen, von Milngavie bis Fort William. Von dort aus nach Loch Ness und über Inverness nach Edinburgh.
Ich war erst einmal vorher alleine Wandern gewesen, für sechs Tage im Elbsandsteingebirge – ich kann diese wunderschöne Ecke im Osten Deutschlands (Sächsische Schweiz) von ganzem Herzen empfehlen! Doch mit jedem Tag, der dem Flug nach Glasgow näher kam, bekam ich etwas mehr Sorge. Bin ich auf alles vorbereitet? Waren 16 statt 6 Tage vielleicht ein zu großer Sprung? Werde ich mit der Sprache klar kommen?
Mehr Gedanken als nötig, denn diese Wanderung war von mir sowieso so geplant gewesen, in den 16 Tagen einfach frei zu sein, für mich zu sein und in den Tag zu leben.

Bei meiner Ankunft in Glasgow, nachdem sich mein Flug um vier Stunden nach hinten verschoben hat, trat ich aus dem Flugzeug heraus und blickte sofort auf die angrenzenden Berge, die Kilpatrick Hills. Ich hatte schon ein Hostel für die Nacht gebucht, weil ich dachte, es wäre toll, die Stadt zu sehen. Meine Beine trugen mich stattdessen zu den Bergen, als würde ein innerer Kompass mich in diese Richtung zwingen.
Sofort war ich erstaunt von der Umgebung. Direkt hinter dem Flughafen wurde die Gegend so unglaublich ländlich, überall um mich herum fanden sich diese typischen Steinmauern und Weiden voller Schafe und Rinder. Ich schlug mein erstes Nachtlager an einem Fluss auf, blickte von dort aus auf die Berge und freute mich auf die kommenden Tage.

Im Weihnachtspulli durch Kinlochleven…

Ich könnte viel erzählen – von Frank, dem Schotten, mit dem ich gemeinsam durch das Moor gewandert bin. Von unglaublichen Aussichten auf Loch Lomond, dem größten See Schottlands. Von meiner Besteigung des Ben Lomond – ich stand gerade 2 Minuten auf dem Gipfel, da peitschte mir ein unglaublicher Hagelsturm ins Gesicht. Das war der abenteuerlichste Abstieg meines Lebens.
Mein erstes mal Haggis – klingt ekelig, ist aber wirklich verdammt lecker!
Meine Nacht auf dem Friedhof von Inverness, wo ich auf der Reise nach Edinburgh einen Halt machte.
Ich könnte wirklich viel erzählen…


Doch darum geht es mir gar nicht. Viel mehr geht es mir darum, warum ich das gemacht habe. Denn so oft werde ich gefragt, warum ich denn alleine wandern gehe.
„Das wäre mir zu langweilig“, „da hätte ich Angst“ oder „du bist komisch“ kommt meistens zurück, wenn Leute hören, dass ich alleine los ziehe. Dabei ist alleine wandern alles andere als langweilig – denn sobald die Ablenkungen wegfallen, wird es erst spannend. Dann lernt man sich wirklich selbst kennen, kann nicht mehr weglaufen vor seinen Problemen. Das ist nicht immer angenehm. Aber wieso sollte es das auch sein?

Wandern ist für mich immer eine Art des Fastens. Ich verzichte bewusst auf mein Bett, auf warmes Essen, vielleicht auch auf Gesellschaft… Wobei mir vor allem in Schottland aufgefallen ist, wie sehr sich meine Art zu wandern seit meiner ersten Wanderung im Herbst 2016 verändert hat.

Mein Lager in Kinlochleven – der schönsten Stadt des WHW

„… Doch wird mir wieder einmal bewusst, dass mein Rückzug in die Einsamkeit nur dazu führt, dass ich die Gesellschaft umso mehr schätze. […] Lange nahm ich an, ich würde wandern, weil ich die Gesellschaft so sehr hasse. Dabei gehe ich wandern, weil ich die Gesellschaft so sehr liebe.“

Ich mecker immer wieder gern über die „Gesellschaft“ und könnte nicht mal erklären, was „die Gesellschaft“ eigentlich ist. Ich beschwere mich über Smartphones und nutze doch immer wieder die Vorteile, die sie bringen. Manchmal denke ich, ich bin ein festgefahrener Rentner.
Immer wieder stelle ich beim Wandern fest, dass ich im Kern diese Sachen nicht von mir weisen kann und dass es Energieverschwendung ist, gegen diese Sache anzukämpfen und mich zu beschweren. Natürlich werde ich wütend, wenn ich sehe, dass sechsjährige Kinder nur mit ihrem Handy und nicht mit ihren Freunden beschäftigt sind – und ich denke bei dieser Sache auch nicht, dass sich das für mich ändern wird.
Doch ich merke auch immer wieder, dass jede Generation so skeptisch auf die nachfolgende blickt. Als die Romane erfunden wurden, warnte man vor Lesesucht. Mit Beginn des Zeitungsdrucks, wurde es mit Sicherheit ähnlich ruhig in den Bahnen, wie heute, wo alle auf ihr Handy starren. Und als Elvis das erste mal im Fernsehen zu sehen war, werden die Erwachsenen wahnsinnig geworden sein (heute ist es eben 187-Straßenbande…).
Ja – ich schätze die Zeit in der ich lebe. Immer wieder vergesse ich das, doch ab und zu fällt es mir wieder ein. Vor allem in der westlichen Welt könnte es uns so gut gehen, doch wir suchen nur die Probleme.

Damals war ich so gefesselt von „Into the Wild“, dass ich diesem Ideal vollkommen nacheiferte. Um kein Geld der Welt hätte ich unterwegs in einer Herberge geschlafen und ich hätte auch nur das gegessen, was ich dabei hatte.
Mittlerweile genieße ich gerne zwischendurch den Luxus einer Herberge und esse auch gerne mal in einer Gaststätte – so lernt man oft auch Leute aus der Gegend kennen und belohnt sich selbst für die Strapazen der Wanderung. Doch früher war Wandern für mich die reinste Askese. Es hatte für mich etwas mit Ehre und Stolz zu tun, auf alles zu verzichten.

Was ich noch immer so am Wandern liebe, ist die Dankbarkeit, die ich danach für die kleinsten Dinge des Alltags empfinde. Wenn man mal ein paar Tage auf fließendes Wasser verzichtet und mitunter auch in Situationen gerät, in denen man Panik hat, keines mehr zu finden, steht man am Ende lachend zuhause im Badezimmer und bewundert den Wasserhahn.
Genauso wie jeder von uns Wanderern sich am Ende auf das eigene Bett und ein heißes Bad oder eine heiße Dusche freut.

Allein, irgendwo in den Wäldern von Loch Ness…

„Was mir heute sehr bewusst wurde, ist, dass jeder Mensch Probleme braucht, sie sich im Notfall (oder eher im Normalfall) sogar selber macht, hauptsache man kann mit seinen Problemen beschäftigt sein. Nahezu panisch suche ich beim Wandern mein Leben nach Problemen ab und erkenne immer wieder, dass ich mich das erste mal an einem Punkt in meinem Leben befinde, der frei ist von Problemen.“

Das soll nicht heißen, dass Menschen nie durch wirklich schwere Zeiten gehen oder dass ich frei davon bin und über allem stehe – gerade in dieser Zeit, in der ich absolut nicht wusste, was ich beruflich tun sollte und mich selbst nicht mehr wieder erkannt habe. Ich habe damals aber erkannt, dass es darauf ankommt, wie wir unsere Erfahrungen bewerten. Und damit sind wir wieder bei der Kraft der Gedanken.
Uns geschehen dauernd Sachen, die wir entweder als Probleme oder einfach als Leben wahrnehmen können. Nichts ist unlösbar. Manches ist verdammt knifflig und unglaublich unangenehm, aber es ist lösbar, einfach nur Teil unseres Lebens.
Ich weiß nicht, ob ich nur für mich spreche, aber ich habe definitiv lange Zeit immer nach Problemen gesucht und mir auch selbst welche gemacht. Mit steigender Achtsamkeit wird es besser, doch ab und zu rutsche ich wieder in dieses Verhalten.

Beobachte das mal bei dir – sobald Du eine Herausforderung gemeistert hast, wird mit Sicherheit direkt die nächste auf dich warten, bevor Du überhaupt den Stolz auskosten konntest, die erste Herausforderung gemeistert zu haben.

„Eine Wanderung lässt dich das Leben spüren, genau so lässt dich jedoch ein Abend in Geborgenheit, Wärme und leckerem Essen mit deinen Liebsten das Leben spüren, nur auf andere Art und Weise. Es braucht beide Erfahrungen, um beides wirklich wertschätzen zu können und so das meiste aus dem Leben rausholen zu können.“

Das war eine der wichtigsten Erkenntnisse für mich auf dieser Reise. Sie kam mir am Ende eines langen Tages, und egal wie simpel und einleuchtend sie auf dich wirkt, mich hat sie in diesen Stunden wirklich umgehauen. Das erste mal habe ich die Dualität des Lebens wirklich begriffen.
Du kannst Glück von Trauer nicht unterscheiden, wenn Du nur eines der beiden kennst. Gäbe es nur Regen auf der Welt, wäre es für uns in Ordnung. Wir würden nur Regen kennen. Stattdessen wissen wir, wie toll ein sonniger Tag sein kann und sehen den Regen als schlecht an. Ohne Schwarz kein Weiß. Ohne Yin kein Yang.

Versuch, diese Dualität in deinem Leben wahrzunehmen. Sie macht wirklich zufrieden.

„Happiness is only real when shared“ – Chris McCandless

Ich habe zu dieser Zeit jeden einzelnen Tag im Tagebuch festgehalten – die Zitate in diesem Beitrag stammen aus diesem Tagebuch. Rückblickend habe ich gemerkt, dass ich in diesen 16 Tagen wirklich einiges für mich erkannt habe und dass es ein unglaublich wichtiger Schritt für mich war, alleine ins Ausland zu gehen.

Letztendlich muss man der Typ dafür sein. Aber zumindest ausprobieren sollte jeder das mal – warum nicht einfach mal für ein Wochenende allein irgendwo hinfahren? Im schlimmsten Fall merkst Du, dass das nicht deins ist. Im besten Fall merkst Du, dass etwas hochkommt, sobald Du allein bist – daran kannst Du arbeiten und dich wirklich kennen lernen.

Ich hoffe, mein Beitrag hat dir gefallen und vielleicht hast Du ja nun eine Anregung für deinen nächsten Urlaub bekommen – ich kann den West Highland Way auf jeden Fall empfehlen.
Wenn Du ihn schon gelaufen bist, dann schreib mal deine Erfahrungen aus Schottland in die Kommentare – ich bin gespannt, wie Du all das wahrgenommen hast.

Danke fürs Lesen!

Dein Chris


Kleine Tipps für den West Highland Way
– auf den meisten Teilen des Weges ist Wildcampen erlaubt – nutz das aus und lerne die Natur Schottlands kennen!
– probier Haggis!
– verbringe ab und zu eine Nacht im Hostel – die Herbergen in Rowardennan und in Crianlarich kann ich von ganzem Herzen empfehlen. So hast Du auch die Chance, mit anderen Leuten in Kontakt zu kommen!
– falls Du ebenfalls nach Inverness reisen möchtest, schau im King’s Highway vorbei. Du hast dort eine Getränke-Flatrate und kannst günstig aber gut dort essen!

Jede Entscheidung bringt dich an den richtigen Ort

Leben heißt, Entscheidungen treffen.

Mit dem ersten Ton deines Weckers fällt die erste Entscheidung des Tages: Aufstehen oder Liegenbleiben?
Den ganzen Tag über triffst du Entscheidungen, manche zu subtil und alltäglich, um sie überhaupt wahrzunehmen. Ich meine, mit welchem Bein steigst du jeden Morgen in die Hose?
Es gibt aber auch Entscheidungen, die zu wichtig für dich sind, um nur vom Unterbewusstsein getroffen zu werden. Wann immer es um einen neuen Job, die Beziehung zum Freund, einen Umzug oder deine Zukunft im Allgemeinen geht, nehmen Entscheidungen für dich oft bedrohliche Ausmaße an und bereiten dir schlaflose Nächte. Warum ist das so?

Entscheidungen zu treffen fällt vielen Menschen schwer. Das liegt daran, dass eine Entscheidung immer Konsequenzen mit sich bringt. Wenn ich mich für den sicheren, gut bezahlten Job entscheide, werde ich mich nicht mehr selbstständig machen können. Wenn ich zu Toms Geburtstag gehe, werde ich nicht zum Konzert gehen können. Wenn ich mein Erspartes für eine neue Gitarre ausgebe, werde ich stattdessen kein Fahrrad kaufen können. All diese Beispiele sind so individuell wie die Menschen selber und doch geht es immer wieder darum, dass man sich immer, wenn man sich für etwas entscheidet, auch gegen etwas entscheidet. Man nimmt sich damit Freiheit und Möglichkeiten – und man weiß vorher nie, was die Entscheidung mit sich bringen wird.
Nächtelang rollt man sich im Bett umher und geht alle Szenarien durch, die im Falle der Entscheidung auf einen zukommen könnten. Dabei ist das Hauptproblem oft, dass Bauch und Kopf etwas völlig anderes sagen.

Wenn wir mit dem Verstand arbeiten, um eine Entscheidung zu fällen oder ein Problem zu lösen, arbeiten wir mit Logik. Wir gehen rational vor und schmücken unsere Auswahlmöglichkeiten mit Argumenten, sehen ihre Vor- und Nachteile genau vor uns und machen oft eine Wissenschaft aus dieser Entscheidung. Doch egal, wie vernünftig die Entscheidung dann erscheint, wenn der Verstand sie durchgekaut hat – manchmal meldet sich der Bauch, unsere Intuition, zu Wort und entkräftet alles innerhalb von Sekundenbruchteilen.
Die Entscheidungen, die wir aus dem Bauch treffen, können wir meistens nicht einmal begründen. Wir fühlen sie einfach. Sie zeigen sich als körperliche Verspannung, Herzrasen, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit, aber auch als ein Gefühl von Freude oder Zuversicht.
Doch gerade, weil man sie nicht begründen kann, werden unsere Bauchgefühle oft als wertlos und trügerisch angesehen. Der Mensch ist ziemlich stolz auf seinen Verstand und möchte wichtige Entscheidungen ungern von etwas treffen lassen, was nicht einmal Argumente hervorbringen kann.

Es ist besser, unvollkommene Entscheidungen durchzuführen, als beständig nach vollkommenen Entscheidungen zu suchen, die es niemals geben wird.
(Charles de Gaulle)

Niemand kann dir deine Entscheidungen abnehmen. Erwachsen zu sein, bedeutet, Entscheidungen zu treffen und mit den Konsequenzen zu leben. Das ist Selbstverantwortung.
Lies dir dazu ruhig meinen Beitrag zum Thema Selbstverantwortung durch 🙂
Es gibt ein paar Tipps, wie du dir das Fällen einer Entscheidung bedeutend erleichtern kannst.

1. Lege eine Pro-/ Kontra-Liste an
Ein Klassiker – und dennoch hilfreich. Die Verwirrung im Kopf zu haben ist eine Sache, all das geordnet vor sich liegen zu haben ist etwas ganz anderes. Manchmal schockiert es auch, zu sehen, wie stark die Pro- oder Kontra-Seite ausgeprägt ist, obwohl man das vorher gar nicht erwartet hat.

2. Meditation
Gerade in solch schwierigen Phasen ist es unglaublich lohnend, in sich zu gehen. Bei der Meditation gewinnst du genügend Abstand zu unseren Alltagsproblemen und kannst so eine ganz neue Sichtweise einnehmen.
So wirst du dir auch deiner Beweggründe für die Entscheidung bewusst und merkst schneller, dass du manche Möglichkeiten aus den falschen Gründen angehen wolltest.

3. Sprich mit anderen Leuten
Auch so erhältst du mit Sicherheit andere, oft wertvolle Sichtweisen auf dein Thema. Vielleicht trägt dir jemand eine Möglichkeit zu, die dir noch gar nicht in den Sinn gekommen ist, vielleicht beruhigt es dich auch einfach, mit jemandem zu reden und dich auszutauschen. Allerdings kann der Austausch auch zu Verwirrung führen, vor allem, wenn man mit zu vielen Leuten spricht.

4. Eine Nacht drüber schlafen
Eine Redewendung mit ziemlich viel Wahrheit – während dein Verstand, der sich selbst als wichtigste Instanz bei der Entscheidungsfindung sieht, im Schlaf zur Ruhe kommt, arbeitet in der Nacht dein Unterbewusstsein an deiner Lösung. Nicht selten wacht man mit einer Entscheidung auf, die sich gut anfühlt – selbst, wenn du durch die Zeit und den Schlaf nur die nötige Distanz zur Entscheidung bekommen hast, ist es das schon wert gewesen.

5. Gönn dir eine Pause
Das passt ziemlich gut zum vorherigen Punkt. Hör auf an deinen Problemen und Entscheidungen zu klammern. Mach einfach mal eine Pause, entspann dich beim Baden, gehe ins Kino, triff dich mit Freunden oder – das hilft sowieso – mach Sport. Auch hier hast du wieder denselben Effekt wie beim meditieren und beim Schlafen: du gehst auf Distanz zu der Entscheidung. Du wirst offen für neue Möglichkeiten und – wer weiß – vielleicht kommt dir die Entscheidung zugeflogen.

6. Keine Angst vor Fehlern
Der Theologe Dietrich Bonhoeffer hat etwas sehr kluges darüber gesagt: “Den größten Fehler, den man im Leben machen kann, ist, immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen!”.
Die Angst vor Fehlern kommt so oft vor und beschränkt uns alle immer wieder. Doch aus Fehlern kann man nur lernen, man kann so viel daraus mitnehmen und wachsen. Um Laufen zu lernen sind wir doch auch alle hingefallen, wieder und wieder. Haben beim Autofahren mal den falschen Gang eingelegt. Fehler zu machen ist menschlich.
Ohnehin ist die Sorge darum, eine richtige oder falsche Entscheidung zu treffen, ein Kampf gegen Windmühlen. Meiner Meinung nach gibt es kein richtig und falsch – jede Entscheidung führt uns durchs Leben und wir kommen durch jede Entscheidung an einen anderen Punkt. Das ist genau der Punkt, den wir gerade brauchen um zu lernen. Genau da wo du jetzt im Leben stehst, bist du auch nur aufgrund deiner vorangegangenen Entscheidungen. Als du sie damals getroffen hast, wirkten sie vielleicht gar nicht so „richtig“, doch brachten sie irgendeinen Stein ins Rollen, der dein Leben komplett geändert hat – vielleicht hast du dich aus notgedrungenen Gründen spontan für eine von zwei Schulen entschieden und hast genau dort deinen besten Freund kennengelernt oder deinen Partner. Jetzt kannst du ohnehin nicht beurteilen, ob die Entscheidung richtig oder falsch war, denn du wirst nie erfahren, wie dein Leben verlaufen wäre, wenn du die andere Schule besucht hättest.

7. Hör auf mit dem „Was-wäre-wenn?“-Denken!
Wenn du den Mut aufgebracht hast, deine Entscheidung zu treffen, hör auf mit dem leidigen Denken, was gewesen wäre. Es bringt dich nicht weiter. Womöglich stürzt du noch in Zweifel und Unsicherheit und redest dir deine Entscheidung eher schlecht, statt dich einfach drauf einzulassen. Lass all die anderen Möglichkeiten los und lasse dich auf deinen neuen Weg ein und stehe dazu.
„Wenn du gehst, dann geh. Wenn du stehst, dann steh. Und ohne zu schwanken!“ ist ein recht passendes Zitat, welches Buddha zugeschrieben wird. Mach die Sachen, die du tust, einfach aus Überzeugung. Stehe zu dir selbst. Denn Entscheidungen kommen aus dir, sie sind Taten und reflektieren deinen Charakter.

8. Vertrauen in Dich und den Lauf deines Lebens bekommen
Mir diesen Punkt immer wieder bewusst zu machen, hilft mir durch meine Tage. Einfach mal vertrauen und alles loslassen, sich sagen, dass ohnehin alles gut werden wird – und am Ende wird es das auch.
Ich denke, dass nichts zufällig passiert, dass alles einen guten Grund hat. Ebenso hat es einen guten Grund, wenn die Entscheidung die ich treffe mich in eine bestimmte Richtung führt. Und mir selbst zu vertrauen hilft mir, mit all den Situationen fertig zu werden. Zu wissen, dass ich daran wachsen werde, egal wie hart es unter Umständen wird.


Jede Entscheidung bringt dich an den richtigen Ort.

Ich hoffe, dass du etwas aus diesem Beitrag mitnehmen konntest.
Was hilft dir, Entscheidungen zu fällen? Hast du noch mehr Tipps? Gerne kannst du deine Ideen mit uns teilen!
Danke fürs Lesen!

Dein Chris

Wie gehe ich mit Veränderungen um?

 „The only way to make sense out of change is to plunge into it, move with it and join the dance.“ (Alan Watts)

Veränderungen sind allgegenwärtig. Sie waren immer schon Teil des Lebens und werden es auch weiterhin bleiben – das ist vielleicht das Einzige, was sich nicht verändern wird.
Obwohl Veränderungen so gesehen zu unserem Alltag gehören, haben sehr viele Menschen große Probleme, mit diesen Veränderungen umzugehen. Während die einen sich einfach ungern damit konfrontiert sehen, hegen wieder andere eine beinahe panische Angst und klammern sich mit voller Kraft an den status quo.

Warum sollte man auch etwas verändern? In seiner Komfortzone zu leben und an alles gewöhnt zu sein, ist bequem. Es ist einfach. Und der Mensch macht sich sein Leben gern so einfach wie möglich.
Veränderungen hingegen sind mitunter äußerst anstrengend und erfordern Kraft, Mut und Ausdauer.
Man findet immer neue Argumente, die gegen die Veränderung sprechen – auch, wenn es für die Außenstehenden keinen Zweifel daran gibt, dass eine Veränderung angemessen ist. Beispielsweise, wenn jemand in einer unglücklichen Beziehung lebt oder einen Job ausübt, der ihn nicht glücklich macht.
Veränderungen haben auch immer mit Entscheidungen zu tun. Entscheidungen, egal ob „gut“ oder „schlecht“ (warum ich mit dieser Einteilung vorsichtig bin, erfährst du in einem anderen Artikel), bringen Konsequenzen mit sich, für die nur wir selbst die Verantwortung übernehmen können – niemand anders kann uns das abnehmen.
Bei einer Veränderung springen wir ins Unbekannte, müssen uns fallen lassen. Und das ist eine unglaublich schwere Aufgabe. Dazu kommt noch, dass wir Menschen uns dauernd die schlimmsten Szenarien ausmalen und uns Sorgen machen, wo es eigentlich gar nicht angebracht ist. Als würden wir permanent mit einem Regenschirm durch die Gegend laufen und nur darauf warten, dass es anfängt zu regnen.

„Krisen sind Angebote des Lebens, sich zu wandeln.“ (Luise Rinser)

Verstehe mich nicht falsch. All die Sorgen, die du dir im Falle einer Veränderung machst, können durchaus nachvollziehbar sein. Doch du darfst nicht vergessen, dass Veränderungen Teil des Lebens sind. Ein verdammt wichtiger Teil.
Leben ist Bewegung – alles ist ständig im Fluss. Alles andere ist unnatürlich. Bequem vielleicht. Aber es ist nicht natürlich.
Veränderungen bringen dich vorwärts, sie lassen dich alle Facetten des Lebens kennenlernen. Je mehr ich an meinem aufgebauten Leben hänge, desto schwerer trifft mich die Veränderung. Sie reißt mich von meinen Füßen, hinein ins Nichts. Doch genau hier ist der Startpunkt für so viel Großartiges – die ultimative Freiheit.  Es kommt dabei nur auf die innere Einstellung an: es ist wichtig, der Veränderung mit einer gewissen Achtsamkeit und Gelassenheit zu begegnen. Denn um ehrlich zu sein denke ich, dass jede Veränderung, grundsätzlich alles, was in deinem Leben passiert, genau zur richtigen Zeit kommt und aus guten Gründen passiert.
Veränderungen sind Herausforderungen. Du kannst nur wachsen und lernen. Du gewinnst und kannst im Endeffekt gar nicht verlieren.

Alan Watts hat das recht passend beschrieben: „The only way to make sense out of change, is to plunge into it, move with it and join the dance.“
Das ist es. Mach mit. Lass dich fallen und tanze, egal welche Musik das Leben auflegt. Es geht immer weiter, ob mit dir oder ohne dich – und wenn du schon die Wahl hast, warum machst du dann nicht mit? Und vielleicht gefällt dir der jetzige Song nicht, aber wer weiß, zu welchem Song du als nächstes tanzen darfst – vielleicht wird es dein Lieblingssong sein. Und den weißt du dann umso mehr zu schätzen.

Tipps zum Umgang mit Veränderungen

Werde dir deiner Glaubenssätze bewusst
Halte ich an meinem Zustand fest, weil ich ihn gewöhnt bin oder habe ich gute Gründe, daran festzuhalten? Welche Glaubenssätze und Selbstbilder hindern mich daran, mich auf die Veränderung einzulassen?
Mir wurde zum Beispiel oft gesagt, dass ich nicht singen könnte – das hat mich lange Zeit daran gehindert, mich zu trauen, vor anderen zu singen. Auch heute noch macht es mir Angst. Doch wenn man am Lagerfeuer sitzt, Gitarre spielt und singt, schert sich niemand wirklich darum, ob du wirklich singen kannst – es geht um den Moment.

Lerne deine Gedanken kennen

Angst entsteht durch Gedanken – übe dich in Meditation und lerne deine Gedanken kennen. So gewinnst du Distanz zu ihnen und entziehst dich ihrer oft destruktiven Macht.

Übe dich in Loslassen
Oft halten wir uns an Sachen fest, die uns durch Veränderungen entrissen werden können – ein Partner, der gut bezahlte, sichere Job, bequemer Alltag. Hier sollten wir uns in Loslassen üben.

Fokussiere das Positive
Wichtig ist, sich auf die positiven Seiten von Wandel zu fokussieren. Welche Veränderungen hast du bisher in deinem Leben durchgemacht? Welche Hürden hast du bisher gemeistert? Und welche Veränderungen haben dein Leben bisher zum positiven gewandelt? Oft merken wir in der Reflektion, dass selbst das größte Unglück eigentlich ein riesiges Glück war!
Stell dir vor, du bist auf dem Weg zu dem Bewerbungsgespräch für den Job deines Lebens. Die Bahn fährt ohne dich ab und du verpasst den Termin, deine Chance verpufft innerhalb von Sekunden und deine Lebensplanung zerspringt wie ein Spiegel vor deinen Augen. Und während du den Tränen nahe bist, steht neben dir am Bahnsteig die Frau, die später einmal deine Ehefrau sein wird. Du hättest sie niemals kennengelernt, wenn du die Bahn bekommen hättest. Dein Leben wäre anders verlaufen – mit Sicherheit gut, aber anders. Doch nun ist dieses Unglück dein Glück.

Perspektivenwechsel
Beschäftige dich mit der Veränderung, die ansteht. Welche positiven Seiten kann sie in dein Leben bringen? Notiere alles was dir einfällt und nehme so viele Sichtweisen wie möglich ein – betrachte es aus der Zukunft, aus der Sicht eines Freundes – sei kreativ. Und dann nimm dir Zeit um in dich zu gehen. Meditiere darüber und höre auf dein Bauchgefühl.

Es sind nicht die äußeren Umstände, die das Leben verändern, sondern die inneren Veränderungen, die sich im Leben äußern (Wilma Thomalla)

Worauf willst du zurückblicken? Auf ein bequemes, ruhiges Leben, wo alles immer nach Schema F lief?
Oder möchtest du deinen Enkeln von deinen Reisen, deinen Fehlern und deinen Sternstunden erzählen können? Sagen können, dass du es gemacht hast?

Teile uns gerne mit, wie du mit Veränderungen umgehst. Vielleicht hast du noch ein paar gute Tipps für uns!
Vielen Dank fürs Lesen!

Dein Chris 🙂