Gefühle wahrnehmen und zulassen

Keiner von uns ist wirklich frei von ihnen – Gefühle. Jeden Tag spüren wir sie, mal stark, mal subtil. Die einen Gefühle wollen wir in unserem Leben haben und immer wieder erleben, andere wiederum versuchen wir zu vermeiden, wann immer es geht. Unsere Handlungen und Motivationen werden ebenfalls durch einen emotionalen Anstoß erst möglich – wer würde schon Anstrengungen auf sich nehmen, wenn am Ende nicht das gute Gefühl steht, etwas erreicht zu haben?

Unsere Gedanken beeinflussen unsere Gefühle

Ich denke, es ist wichtig zu begreifen, dass Gefühle nicht einfach so entstehen. Wenn etwas in unserem Leben passiert, sind es unsere Gedanken und damit die Beurteilung des Geschehnisses, die unsere Gefühle entstehen lassen. Das lässt sich im Alltag gut an den simpelsten Beispielen beobachten, etwa daran, wie unterschiedlich Menschen auf Beleidigungen oder das generelle Verhalten ihrer Mitmenschen reagieren.
Während ein Mensch eine Beleidigung direkt persönlich nimmt und in einem zerstörerischen Wutanfall gefangen ist, legt ein anderer Mensch keinerlei Wert auf die Beleidigung, die irgendein dahergelaufener Fremder ihm an den Kopf wirft.
Ich persönlich kann absolut nicht mit Stau und Großstadtverkehr umgehen und werde in diesen Situationen immer wütend und genervt und habe das Gefühl, meine Zeit zu vergeuden. Ein guter Freund von mir stört sich gar nicht am Stau, er akzeptiert den Umstand einfach und bleibt so gelassen wie zuvor. Ich gehe also komplett an die Decke während ihm der Stau nichts bedeutet.

Es klingt zwar unmöglich – und zugegeben ist es ein langer Weg, der nicht immer einfach ist – aber es ist möglich, seine Gedanken und Bewertungen grundsätzlich zu ändern. Denn sie sind es in Wahrheit, die unsere Gefühle entstehen lassen. Wir können uns am Regen freuen und es genießen, durch den Sommerregen zu laufen, nass zu werden und diesen wundervollen Geruch von Regen einzuatmen – oder wir können wütend aus dem Fenster starren und immer wieder beteuern, wie sehr wir Regen hassen und gar nicht erst versuchen, uns auf diese Erfahrung einzulassen. Glaubt mir, manchmal gibt es nichts schöneres, als durch den Regen zu laufen und einfach nass zu werden…
Es geht immer nur darum, wie wir unsere Erfahrungen bewerten. Und mit konstanter Arbeit an unserem Mindset, können wir wirklich viel verändern und unsere Gefühlswelt somit grundsätzlich zum positiven hin verändern.

Wir wollen immer nur den Sonnenschein, nie den Regen

Ein Problem, dass ich von mir selbst zu gut kenne, ist die Unfähigkeit, bestimmte Gefühle zuzulassen. Es ist nur menschlich, Leid größtenteils vermeiden zu wollen und Glück und andere angenehme Gefühle so oft wie möglich fühlen zu wollen. Wir rennen immer den „guten“ Gefühlen hinterher und vor den „schlechten“ Gefühlen weg. Wir wollen immer nur den Sonnenschein, nie den Regen. Dabei sind alle Gefühle nötig, um das Leben in seiner kompletten Bandbreite wahrzunehmen. Wie soll ich denn nach 30 Jahren die „guten“ Gefühle noch als solche wahrnehmen, wenn ich nie Höhen und Tiefen als Vergleich erlebt habe? Wenn ich mich nie schlecht gefühlt habe, werde ich gar nicht erst wissen können, dass es mir wirklich gut geht.
Yin und Yan kommt an dieser Stelle ins Spiel – die Balance zwischen den unangenehmen und angenehmen Gefühlen finden und lernen, mit diesen vernünftig und gesund umzugehen.

Ich möchte an dieser Stelle eine Sache klar stellen, die mich schon lange beschäftigt: es gibt keine guten und keine schlechten Gefühle. Diese Bewertung passiert in unserem Kopf, wir selbst tragen die Verantwortung dafür, wie wir ein Gefühl einstufen. Natürlich fühlt es sich nicht angenehm an, wenn wir einen Menschen verlieren, der uns nahe steht – doch das heißt noch lange nicht, dass dieses Gefühl schlecht ist. Es ist einfach nur ein Gefühl, nicht mehr und nicht weniger, und es ist da, um von uns gefühlt zu werden. Denn das ist auch schon das ganze Wesen eines Gefühls – es entsteht, will wahrgenommen werden und wird (mal schneller, mal langsamer) wieder fort ziehen.
Dadurch, dass wir uns so dagegen sträuben, unsere Gefühle wahrzunehmen, ermöglichen wir es ihnen erst, solange in unserem Körper zu bleiben und schließlich zur Dauerbelastung zu werden – Stress, Verspannungen und deutlich spürbare Auswirkungen auf unseren Körper wie ein ungutes Bauchgefühl oder andere Probleme, die durchaus auch chronisch werden können. Wir schüren unsere Angst vor diesen Emotionen und sie lassen die Möglichkeit, Gefühle zuzulassen, immer bedrohlicher wirken.
Vor allem Gefühle, die schon seit langer Zeit in uns stecken, machen uns eine Angst. Wir haben Angst, die Kontrolle über uns selbst zu verlieren – und genauso fühlt es sich manchmal an, wenn man sich einem Gefühl, egal ob angenehm oder unangenehm, hingibt. Das Gefühl überkommt uns intensiv und dann klingt es ab.

Je weniger Du deine Gefühle vor Anderen versteckst, desto weniger versteckst Du sie vor dir selbst.
– Anchu Koegl

Gefühle sind quasi Feedback von uns an uns. Wenn wir etwas machen, was gegen unsere eigenen Werte spricht, werden wir dies oft schnell durch ein unschönes Gefühl spüren können. Wir können also das Aufkommen eines Gefühls nutzen, um zu lernen und um es als Wegweiser zu benutzen. Wenn bestimmte Menschen oder Handlungen uns gut fühlen lassen, sollten wir mehr davon in unser Leben lassen – schlagen wir uns hingegen mit Leuten herum, auf die wir innerlich eigentlich keine Lust haben oder die uns kein schönes Gefühl geben, merken wir, dass wir besser Abstand von ihnen nehmen sollten.

Es macht zwar erst einmal Angst, doch es kann sich wirklich lohnen, deine Gefühle wahrzunehmen und zuzulassen. Im Folgenden findest Du fünf Tipps, die Dir helfen können, einen anderen Umgang mit deiner Gefühlswelt zu etablieren.

Wie Du deine Gefühle besser wahrnehmen kannst

  1. Body-Check-Meditation
    Das ist eine äußerst wirkungsvolle Art der Meditation. Am besten nimmst Du dir täglich ein paar Minuten Zeit und fühlst einfach in deinen Körper hinein – Körperteil für Körperteil. So wirst du schnell spüren, wo du verspannt bist oder wo welches Gefühl lokalisiert ist. Generell baust Du so schnell ein besseres Verhältnis zu deinem Körper auf!
  2. Beschreibe deine Gefühle
    Nimm die Beobachterrolle ein und beschreibe deine Gefühle auf körperlicher Ebene. So wird deine Angst zu einer Enge in der Brust und deine Wut zu einem Druck in der Bauchgegend. Du wirst ein ganz anderes Gefühl für deine Emotionen bekommen, glaub mir!
  3. Verurteile Dich nicht für deine Gefühle
    Als ich damit anfing, mich mit dem Buddhismus zu beschäftigen, versuchte ich mich freizusprechen von Gefühlen wie Wut und Hass und es passierte nicht selten, dass ich mir eingeredet habe, ich dürfe diese Sachen nicht fühlen. Das ist vollkommener Quatsch – was auch immer in dir aufkommt, egal ob Neid, Wut, Hass, Angst oder aber Freude, Glück, Zufriedenheit und Stolz – alles das darf da sein. All das ist einfach nur ein Gefühl, was wahrgenommen werden will.
    Der wahre Punkt des Buddhismus ist, wie wir mit diesen Gefühlen umgehen, nicht wie wir sie vermeiden.
  4. Erkenne die Wurzel des Gefühls
    Oft sind es innere Überzeugungen und Glaubenssätze, die Gedanken und Gefühle entstehen lassen. Werde dir dieser Mechanismen in dir bewusst und achte darauf, wann genau sie greifen. Hinter vielen Gefühlen versteckt sich am Ende eine ganz einfache Botschaft und du kannst anfangen, die Probleme dahinter zu korrigieren und los zulassen.
  5. Lass los
    Ich weiß, es ist leichter gesagt als getan. Aber versuche mal, unvoreingenommen dein Gefühl wahrzunehmen. Sei neugierig und erlebe das Gefühl. Erlebe, wo im Körper es lokalisiert ist, wie genau es sich anfühlt, was für Gedanken dabei aufkommen und wann du es zum ersten Mal wahrgenommen hast. Gehe durch die Empfindung durch, auch wenn es unangenehm ist.
    Hafte nicht daran und identifiziere dich nicht mit dem Gefühl, denn das bist du einfach nicht. Du bist mehr als das.
    Nimm es wahr und lass es ziehen.

Vielleicht ermutigt Dich dieser Beitrag dazu, Dich etwas mehr mit deinen Gefühlen zu beschäftigen – Du wirst es auf keinen Fall bereuen. Du lernst Dich selbst besser kennen und wirst das Leben intensiver wahrnehmen.

Und noch etwas – die Gesellschaft tut so, als müsse man jeden Tag gut drauf sein und immer 120 % Leistung bringen. Vergiss es. Jeder hat mal schlechte Tage, das ist vollkommen normal und gehört dazu. Dafür braucht man sich nicht zu schämen.
Lass die Leistungsgesellschaft in diesem Punkt einfach hinter Dir und erlaube Dir deine Gefühle.
Stark ist der, der Gefühle zulassen und zeigen kann – nicht derjenige, der seine Gefühle abstellt und wie ein Roboter durchs Leben geht.

Vielen Dank fürs Lesen!

Dein Chris

Warum uns Loslassen so glücklich macht

Einst wanderten zwei Mönche durch die Berge. Auf dem Weg zum Kloster begegneten sie einer jungen Frau, die den Fluss nicht überqueren konnte, ohne ihre Kleider nass zu machen. Der Ältere der beiden Mönche hob sie auf die Schultern, trug sie hinüber und setzte sie ab. Schweigend wanderten die beiden Mönche weiter, bis der Jüngere seine Wut nicht mehr verbergen konnte. „Wie konntest du der Frau helfen, wo du doch weißt, dass uns der Kontakt zu Frauen streng verboten ist. Das war falsch von dir.“
Der ältere Mönch erwiderte ruhig: „Ich habe die Frau am Flussufer abgesetzt. Warum trägst du sie immer noch?“ (Buddhistische Anekdote)

Vielleicht fallen dir bei dieser Geschichte spontan Situationen aus deinem eigenen Leben ein, in denen du der junge Mönch warst oder jemanden kanntest, der sich so verhalten hat. Loslassen fällt vielen Menschen schwer und ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es nicht immer einfach ist. Es gibt so viel in unserem Leben, an dem wir haften, was wir nicht loslassen wollen oder können – wir klammern uns an unseren Partner, unsere Freunde, an den neuen Wagen, an unsere Träume und Vorstellungen und vor allem klammern wir uns an uns selbst, an unsere Gedanken und Gefühle.

Warum Loslassen so schwer ist

Wir bauen uns über Jahre hinweg ein eigenes Leben auf. Besitz wird angehäuft, Glaubenssätze werden übernommen – am Ende identifizieren wir uns über all die Sachen, die wir in unser Leben holen. Wir entwickeln eine Idee unserer Persönlichkeit, die nicht mehr als ein bloßes Konstrukt ist – unser Ego. Unser Umfeld zwängt uns in Rollen und wir sind gezwungen, zu schauspielern.
Ich sah mich immer als Klassenclown und irgendwann sahen auch die anderen mich so – auch, als ich schon längst keiner mehr sein wollte. Aber trotzdem zwang ich mich, immer dann einen dummen Spruch zu bringen, wenn die anderen einen dummen Spruch erwarteten – schließlich war das meine Aufgabe.
Die Angst überkommt uns, wenn wir daran denken, dieses Ich loszulassen. All die Statussymbole loszulassen, die uns definieren und unserem Umfeld zeigen, wer wir eigentlich sind. Genauso haften wir unseren Gedanken und Gefühlen an, die wir immer wieder so ernst nehmen, dass wir denken, wir seien unsere Gedanken und Gefühle. Doch wenn wir sie loslassen – wer oder was sind wir dann?

Wenn ich loslasse, was ich bin, werde ich, was ich sein könnte. Wenn ich loslasse, was ich habe, bekomme ich, was ich brauche. (Lao Tse)

Unser „Ich“ und „mein“ loszulassen, fühlt sich erst mal an, als würden wir unsere Identität verlieren. Doch das einzige, was wir verlieren, ist eine Illusion; ein Trugbild. Vielmehr gewinnen wir dadurch, dass wir den Filter des Ichs ablegen und die Welt ohne all diese Vorbehalte sehen dürfen. Schau dich mal um – vielleicht sitzt du gerade daheim und siehst all die Sachen die dir gehören. Sind da welche bei, von denen du denkst, dass sie dich in irgendeiner Art und Weise definieren? Kommt Angst in dir hoch, wenn du dir vorstellst, dass diese Gegenstände nun weg wären?
So geht es mir zumindest, wenn ich mir meine Gitarren ansehe. Ich definiere mich schon in gewisser Hinsicht über sie und sie machen mich glücklich.

Wer wäre ich nun, wenn die Gitarren geklaut werden oder verbrennen? Ich wäre immer noch ich.
Klar, ich wäre traurig und sie würden mir fehlen. Aber im Grunde genommen ändert sich nichts. Und das ist das Band zwischen dem Ego und dem Loslassen und warum sich beides nicht vereinen lässt – mein Ego ist abhängig von den Gitarren und „stirbt“, wenn sie nicht mehr Teil meines Lebens sind. Ich mache mein Glück davon abhängig, diese Gitarren in meinem Leben zu haben. Und diese Abhängigkeit zu erkennen, das ist das Wichtige.
Die Gitarre kannst du durch alles ersetzen, was für dich diesen Platz einnimmt. Hobbygegenstände sind super dafür, aber auch Statussymbole, Glücksbringer oder Erbgegenstände. Dir bewusst zu werden, dass du dein Glück oder Wohlbefinden von diesen Dingen abhängig machst, nimmt den Gegenständen bereits die Macht. Ich fordere keineswegs dazu auf, diese Sachen wegzuschmeißen um sich frei zu machen –das ist nicht des Rätsels Lösung. Es ist schön, wenn diese Sachen dich glücklich machen. Aber dein Leben ist nicht vorbei, wenn sie verloren gehen. Und das könnte immer passieren – sei es durch Einbruch oder Wohnungsbrand. Spätestens im Moment des Todes bringen dir diese Gegenstände gar nichts mehr.

Also: Bewusstsein ist alles. Du bist mehr als die Gegenstände, über die dein Ego sich definieren möchte – lass einfach los.

Wie lasse ich wirklich los?
In den tiefsten, schmerzhaftesten Krisen wurde mir dauernd geraten, doch einfach loszulassen. Manchmal packte mich die Wut, so einen realitätsfremden Ratschlag zu bekommen, während ich in den schlimmsten Situationen gefangen war.
Tja, letztendlich war das Loslassen doch immer das Wichtigste in all meinen Krisen. Doch während man so mit sich selbst und seinen Gefühlen kämpft, ist „einfach loslassen“ ganz und gar nicht mehr einfach – aber möglich!

Woran klammerst du dich?
Es ist wichtig, dir zu aller erst bewusst zu werden, woran du dich eigentlich klammerst. Was hält dich zurück im Leben? Und wieso?
Was könnten Vor- und Nachteile deines Loslassens sein? Was kannst du gewinnen?

Lerne, das Leben anzunehmen wie es ist
Loslassen ist ein Synonym für Annehmen. Jede einzelne Situation im Leben anzunehmen ist schwer, doch mit jeder Situation, die du annimmst und akzeptierst, wächst du – und verstehst, dass das Leben nun einmal eigene Geschichten schreibt. Indem du bewusst darauf verzichtest, an deinen Träumen und Vorstellungen des „perfekten Lebens“ zu klammern, lässt du los und gewinnst Gelassenheit und Lebensfreude zurück – einfach, weil du bereit bist, das Leben so zu nehmen, wie es kommt. Das soll nicht bedeuten, dass du aufhören sollst, deinen Lebensträumen zu folgen – manchmal gelangst du aber an einen Punkt, an dem du dir eingestehen solltest, dass es vorbei ist.

Beschäftige dich mit Minimalismus

Ich finde den Minimalismus als Lifestyle unheimlich interessant, denn man lernt unfassbar viel über sich selbst und das Leben im Allgemeinen dabei. Zwar bezieht er sich eher auf materielle Sachen, doch auch da spielen unsere Gefühle und Identifikationen mit den Dingen ja eine große Rolle. Bewusst zu entscheiden, was ich wirklich zum Leben brauche, ist ein spannender Prozess und führt bei mir immer wieder dazu, dass ich mit voller Freude ausmiste und die Sachen, die ich behalte, umso mehr zu schätzen weiß.
Eine gute Methode, um zu lernen, was man wirklich benötigt und zu sehen, warum man eigentlich an gewissen Dingen haftet.

Suche immer das Positive
Wenn es um vergangene Situationen oder Schicksalsschläge geht, hilft es enorm, das Positive im Geschehenen zu suchen. Manchmal dauert es lange, bis wir etwas finden – aber ich verspreche dir, es gibt etwas Positives! Schicksalsschläge stärken uns zum Beispiel oft oder lassen uns erkennen, wie wertvoll das Leben und die Menschen um uns herum sind – das erkannt zu haben sehe ich als äußerst positiv an.

Sei dankbar!

Dankbarkeit in deinen Alltag zu integrieren, ist das Beste was du machen kannst. Es gibt so viele Gelegenheiten im Alltag, in denen du dankbar sein kannst und je mehr du dich darauf konzentrierst, desto empfänglicher wirst du dafür. Loszulassen fällt deutlich einfacher, wenn man dankbar ist – denn dadurch nimmst du das Leben automatisch so an, wie es ist und machst dir bewusst, für wie viel im Leben man sich eigentlich freuen kann. Vielleicht helfen dir meine Denkanstöße, ein bisschen mehr loszulassen – vielleicht kennst du aber selbst ein paar gute Taktiken dafür, die anderen Menschen weiterhelfen können. Teil sie gerne mit uns!

Dein Chris

Teil 3 – Modul 2 „Loslassen, was war“

Schon ist die zweite Woche der Rise Up & Shine University vorbei. Das Motto dieser Woche lautete „Loslassen, was war“. Die meisten Menschen lassen ihr heutiges Leben durch negative Erlebnisse in ihrer Vergangenheit beeinflussen, mit denen sie sich vielleicht nie oder nur unzureichend auseinandergesetzt haben. Viel zu schwer fällt es oft, negativen Erlebnissen zuzustimmen und anzuerkennen, dass sie zu unserem Leben gehören. Da fällt es doch irgendwie leichter, dieses Päckchen im imaginären Rucksack ständig auf dem Rücken zu tragen und am besten noch, das Geschehene immer und immer wieder zu durchleben, aber nicht mit dem Ziel, dadurch damit abzuschließen, sondern mit dem Ziel, sich erneut in die negativen Gefühle hineinzusteigern und vielleicht sogar auf Rache zu sinnen.

Ich bin auch eine solche Kandidatin und mir fällt es bislang schwer, negativen Situationen und Erlebnissen aus der Vergangenheit zuzustimmen und noch schwerer fällt es mir in einigen dieser Fälle, überhaupt nur an das Wort „Vergebung“ in diesem Zusammenhang zu denken. Besonders innerhalb der Familie ist es oft schwer, denn gerade die Personen, die man am meisten liebt, haben eben auch die größte Macht, uns zu verletzen – zumindest meinen wir das oft. Denn eigentlich hat niemand die Macht uns zu verletzen, außer wir uns selbst. Doch das muss auch ich mir immer und immer sagen und es verinnerlichen. In der RUSU ging es in dieser Woche jeden falls darum, solche Situationen aus der Vergangenheit aufzudecken und durch Meditationen und die Übungen im Workbook der Vergebung zumindest einen Schritt näher zu kommen.

In diesem Zusammenhang haben wir uns in dieser Woche intensiv mit unserem inneren Kind beschäftigt. Aus dem bekannten Buch „Das Kind in dir muss Heimat finden“ von Stefanie Stahl, das ich erst vor kurzem zum zweiten Mal gelesen habe, weiß ich bereits einiges darüber und habe mich schon sehr viel mit meinem inneren Kind beschäftigt, allerdings konnte ich weder durch die Meditationen aus dem Buch noch durch meine eigenen Versuche einen richtigen Zugang zu meinem inneren Kind finden. In Lauras Meditation hat es auf einmal geklappt! Das war eine echt intensive und lehrreiche Meditation für mich. Ich glaube, dass es wirklich eine Veränderung auch in all unseren zwischenmenschlichen Beziehungen bewirken kann, wenn wir uns unseres inneren Kindes bewusst sind und es regelmäßig beachten.

Über Meditationen habe ich in dieser Woche übrigens noch etwas für mich Neues gelernt: manchmal will ich meditieren und merke sehr schnell, dass ich mich keine einzige Sekunde fokussieren kann, und egal wie oft ich es versuche, ich gehe mit jedem Gedankengang mit. Dann habe ich bisher immer abgebrochen und es entweder an diesem Tag gar nicht mehr oder später probiert. An einem Tag in dieser Woche passierte mir das auch – ständig zwickte es irgendwo, ich konnte nicht stillsitzen, mir sind ständig die Beine eingeschlafen und ich merkte, dass ich kaum in der Lage war, Laura in der geführten Meditation überhaupt zuzuhören. Ich spielte mit dem Gedanken, es später wieder zu probieren. Aber dann plötzlich war es, als hätte sich ein Schalter umgelegt und ich war total „drin“ und es hat sich richtig gelohnt. Also werde ich auch beim nächsten Mal nicht direkt aufgeben.

Zum Ende der Woche ging es dann ans Eingemachte: sich selbst und Menschen, die einen gekränkt oder verletzt haben, vergeben. Ich bin ehrlich: ich war skeptisch. Die Meditationen klappten gut, doch ich spürte teilweise noch einen Widerstand in mir. Vergebung von jetzt auch gleich funktioniert wohl nicht so einfach, aber ich glaube hier heißt es: dranbleiben. Denn wir streben doch alle nach Glück und Zufriedenheit, und was ich mittlerweile verstanden habe ist, dass diese beiden Dinge aus uns selbst heraus kommen müssen, wir können sie nicht im Außen finden. Und um Glück und Zufriedenheit zu verspüren, muss man beginnen, seine Vergangenheit zu akzeptieren. Das bedeutet keinesfalls, dass man alles gut finden muss, was passiert ist, es bedeutet, dass man einfach nur zustimmt, dass diese Erfahrungen in unserem Leben sind und sie uns zu dem Menschen gemacht haben, der man heute ist. Doch an ihnen festzuhalten bringt nicht mehr, als dass du dich immer wieder selbst verletzt und davon abhältst, wirklich glücklich und zufrieden zu sein.